Sonntag, 2. November 2025

🐾 Vier Wege, ein Herz – Meine Agility-Geschichte

 🐾 Vier Wege, ein Herz – Meine Agility-Geschichte

Sie heißen Jaro, Taran, Myway und Lasse.
Vier Hunde, vier Temperamente, vier Spiegel dessen, was ich bin und war.
Manchmal denke ich, sie sind nicht nur meine Hunde – sie sind Kapitel meines Lebens.

Jaro, der Sturm.
Sechs Meter in der Sekunde, präzise, explosiv, hellwach.
Er liest meine Gedanken, noch bevor ich sie formuliere.
Manchmal denke ich, er kennt mich besser als ich mich selbst.
Wenn er läuft, ist das keine Arbeit, es ist Telepathie.
Wir fliegen, jeder Schritt von mir nur ein Hauch,
er nimmt ihn auf und verwandelt ihn in Geschwindigkeit.
Er ist der Beweis, dass Vertrauen schneller ist als Beine.

Taran, mein kleiner Drache.
Er liebt das Leben so sehr, dass er es manchmal gar nicht abwarten kann.
Für ihn ist jedes Turnier ein Fest, jede Aufgabe ein Abenteuer.
Er sieht das Ziel und denkt: Da liegt bestimmt das Beste überhaupt!
Aber er lernt, und er wächst, und mit jedem Lauf
leuchtet sein Blick ein bisschen klarer, ruhiger, echter.
Wenn er rennt, höre ich sein Herz lachen.

Myway, der Gentleman.
Zehn Jahre, silberner Bart, goldene Seele.
Er hat so lange gebraucht, bis er seinen Mut fand,
bis Richter und Fotografen ihm egal wurden,
bis er einfach er selbst sein durfte.
Jetzt läuft er mit Stolz und mit Freude,
nicht, um zu gewinnen, sondern um dabei zu sein.
Und wenn ich die anderen hole und er protestierend schaut,
dann weiß ich: Er ist noch nicht fertig mit dem Leben.

Lasse, mein leiser Held.
Als er kam, war er halb verhungert, fast durchsichtig.
Wir haben ihn aufgebaut, Körper und Seele zugleich.
Er wollte alles richtig machen,
und aus Angst, etwas falsch zu machen, tat er manchmal gar nichts.
Ich musste ihn durch die Parcours klatschen, lachen, anfeuern,
ihm zeigen, dass Fehler keine Schande sind.
Er war nie laut, nie fordernd,
aber er war da – zuverlässig, sensibel, rein.
Und als er irgendwann sagte: Ich mag dich, aber ich brauche das hier nicht mehr,
habe ich verstanden, dass Liebe auch heißt, loszulassen.

Und so stehen sie da – vier Wesen, vier Geschichten.
Jeder trägt eine andere Melodie,
und zusammen sind sie mein Lied.
Es geht nicht um Titel, Zeiten oder Siege.
Es geht um Herzschlag, Freude, Staub unter den Pfoten
und um dieses stille Wissen:
Wir gehören zusammen.


Mittwoch, 29. Oktober 2025

Unna - Charlotte Bönig, geboren Hake - meine Großmutter

 


Meine Oma – Charlotte Bönig, geborene Hake


Meine Oma hieß Charlotte Bönig, geborene Hake. Ihr Vater war Bahnwärter – leider stocktaub. Eher ungünstig für einen Mann, der auf Bahngleisen unterwegs ist.  Eines Tages hörte er den Zug nicht kommen. So begann für meine Oma das Leben mit einem Verlust, den sie früh tragen musste.

Charlotte arbeitete später als Dienstmädchen bei einem Pfarrer, bis sie meinen Großvater, Erich Bönig, kennenlernte. Sie heirateten, und aus dieser Ehe ging ein Kind hervor: meine Mutter, Ingrid.

Das Leben war nicht immer einfach. Mein Großvater ging irgendwann fremd; es entstand ein weiteres Kind mit einer anderen Frau – ein Kind, das geistig behindert war. oder wegen einer Meningitis wurde. Das sind so die Dinge, die man erst nachfragt, wenn keiner mehr da ist, um die Fragen zu beantworten. Für meine Mutter, die damals schon alt genug war, um all das zu verstehen, war das ein einschneidendes Erlebnis.

Trotz allem blieb das Familienband bestehen. Meine Mutter arbeitete später im Veterinäramt in Braunschweig – und war dort sehr geschätzt. Ihr Chef war ein ausgesprochener Fan von ihr. In dieser Zeit lernte sie meinen Vater kennen, der am Zoologischen Institut studierte und über Kolibris promovierte.

Als sie mit mir schwanger wurde, war sie berufstätig, während mein Vater noch studierte – er hatte kein Geld, sie trug den Haushalt. Ich kam dann etwas stürmisch zur Welt, eine echte Sturzgeburt, wie alle sagen, die mich kennen. Eine entfernte Nichte des äthiopischen Kaisers Haile Selassie massierte meiner Mutter während der Geburt den Rücken. Währenddessen ging mein Vater, ganz nach alter Tradition, mit Freunden „das Kind pinkeln lassen“.

Da meine Mutter bald wieder arbeiten musste, wuchs ich überwiegend bei meiner Oma auf, die eigentlich keine Oma sein wollte und deswegen den Namen Unna wählte. Warum auch immer. Meine Mutter wurde für ihre Enkel dann später "GroMu" - Große Mutter.  Zunächst lebten wir alle in einem Zimmer bei meinen Großeltern, später zogen meine Eltern in eine kleine Wohnung an der Hagenbrücke in Braunschweig. Jeden Morgen, am Bürgerpark, fand die Übergabe statt: Meine Mutter brachte mich zu meiner Oma, bevor sie ins Amt ging.

Als mein Vater promoviert hatte, zog die kleine Familie nach Duisburg, wo er im Zoo eine Stelle als Oberassistet bekam. Ich lerne dort unter anderem reiten und machte jede Menge Unsinn. Doch meine Großeltern blieben immer Teil meines Lebens. In den Sommerferien war ich oft bei ihnen – und diese Wochen sind bis heute in mir wie ein warmer Sommergeruch.

Mein Großvater stammte aus Hellental im Solling. Dort hatte seine Familie ein Haus, und er besaß das Wohnrecht in der Dachkammer – ohne Bad, nur mit einem Marmeladeneimer als Toilette. Aber für mich war es das reinste Abenteuer. Wir sammelten Heidelbeeren und Pilze, während meine Oma in der Küche Sirup, Gelee und Marmelade einkochte.

Zwei ihrer Rezepte sind bei uns unsterblich: ihre Karottensuppe, die ich heute noch immer koche, wenn jemand krank ist – und ihre Kartoffelpuffer, mit denen ich mit meinem Großvater regelrechte Wettessen veranstaltete. Sein Rekord lag bei neunzehn Stück, meiner bei dreizehn – kleine zwar, aber immerhin!

Kurz nach seiner Pensionierung brach mein Großvater eines Tages, nach dem Apfelkauf, im Flur tot zusammen. Für meine Oma war das ein tiefer Einschnitt, aber sie trug ihr Leben weiter mit dieser stillen, bodenständigen Kraft, die sie immer ausgezeichnet hatte.

Im Laufe der Jahre wurde sie älter, und wenn jemand den Altersstarrsinn erfunden hat, dann wahrscheinlich meine Oma. Ich erinnere mich an einen Geburtstag, den wir irgendwo in der Nähe von Walldüren feierten – mein Bruder war damals bei der Bundeswehr stationiert. Sie wollte keine Geschenke, fand den ganzen Trubel übertrieben. Ein anderes Mal machten wir ein spontanes Geburtstagsessen im Pentahotel Heidelberg – sie war stundenlang beleidigt, weil sie glaubte, das sei nur passiert, weil sie „zufällig da war“. Dass es geplant war, wollte sie nicht glauben.

Als mein Bruder heiratete, feierten wir im Hotel in Schwetzingen. Am nächsten Morgen – wir hatten durchgefeiert – kam meine Mutter ins Zimmer und sagte nur: „Unna ist weg.“
Bevor wir suchen konnten, kam sie schon zurück – gebracht aus dem Nachbarhotel, wo sie gestürzt war. Sie war einfach abgehauen. Typisch Unna.

Es gibt Teile ihrer letzten Jahre, über die ich nicht schreiben kann, weil sie zu weh tun. Ich weiß nur, dass wir irgendwann den Anruf bekamen, sie öffne nicht mehr die Tür. Meine Mutter und ich fuhren von Heidelberg nach Braunschweig. Die Nachbarin hatte einen Schlüssel, war aber schon bei ihr gewesen – Oma war bereits vom Bestatter abgeholt.

Natürlich hatte sie alles arrangiert: die Blumen, die Bezahlung, jedes Detail. Das war meine Oma – kontrolliert, bis zuletzt.
Mama und ich durchsuchten die Wohnung, weil wir wussten, da muss noch etwas sein, was sie uns hinterlassen wollte. Wir fanden tatsächlich zwischen den Laken im Kleiderschrank Geldscheine. Hätte man auch liegen lassen können, aber gut – das war so ein Moment, in dem man lacht und weint zugleich.

Bei der Beerdigung lernte ich zum ersten Mal Rolf, einen Cousin, kennen – mit blonder Minipli-Frisur. Mein Bruder Dirk und ich mussten uns sehr zusammenreißen, nicht loszuprusten.

Wenn ich an meine Oma denke, denke ich auch an Eisenbüttel, wo Heino und Emma wohnten, mit dem großen Garten an der Oker. Ich saß dort gerne am Wasser, sah den Enten zu, manchmal machten wir kleine Kahnfahrten. Mein Großvater, der bei Siemens gearbeitet hatte, brachte mir dort immer Papierrollen mit – dieses alte Endlospapier mit den Löchern an der Seite. Darauf habe ich gezeichnet, geschrieben, geträumt. Vielleicht hat meine Liebe zum Geschichten-Erzählen dort angefangen.

Und bis heute kann ich die Tagesschau-Hymne nicht hören, ohne an meine Großeltern zu denken: wie ich auf dem Sofa lag, halb eingewickelt in die Wolldecke, das Fernsehen flimmerte, und meine Oma mir abends Brot mit winzig klein geschnittenen Schinkenwürfeln machte – nicht diese gekauften, sondern selbstgeschnittene, wie alles bei ihr.

Ich war immer ihre Prinzessin.
Und mein Opa fuhr eine Isetta – dieses winzige, kugelige Auto, das aussah, als hätte jemand ein Lächeln auf vier Räder gestellt.

Manchmal denke ich, dass so vieles von dem, was ich bin – meine Wärme, meine Dickköpfigkeit, meine Art, mich durchzubeißen – direkt aus ihrer Küche, ihrem Garten und ihren Kartoffelpuffern stammt.


Dienstag, 28. Oktober 2025

Können Algorithmen träumen ... ?

 


Während mein Bruder und meine Mädels schon letztes Weihnachten von ChatGPT schwärmten, blieb ich eher skeptisch.

Mehr natürliche Intelligenz – oder besser: emotionale Intelligenz – erschien mir wesentlich erstrebenswerter. Nein, ich hatte keine Angst, dass KI die Weltherrschaft anstrebt – das tun ja nicht mal meine Hunde. Ich sah nur keinen Sinn darin.

Und so wurde es August 2025, bis ich tatsächlich meine ersten Schritte auf diesem neuen Feld wagte.
Ursprünglich ging es um Recherche. Und da war ChatGPT tatsächlich unschlagbar. Statt hundert Google-Beiträge zu filtern, hatte ich in zehn Sekunden alles Relevante auf dem (Bild-)Schirm – und konnte sogar noch nachfragen oder bekam aktiv das Angebot, mich weiter zu unterstützen.

Irgendwann landete ich in Facebook auf einer KI-Seite, auf der es um Bildgestaltung ging.
Fast wie Magie.
Ein paar Worte eingeben – und plötzlich entsteht ein Bild. Eines, das aussieht, als wäre es fotografiert, gemalt, gefühlt.

Aber nur fast.

Denn während Hunde und mein Mann da immer gut aussahen, wirkte ich selbst eher wie aus der Seniorenresidenz entwichen. Und mein Wortschatz erweiterte sich um so nette Begriffe wie „iterativ“ und „narrativ“. Letzteres vor allem, als ich irgendwann die Möglichkeiten des interaktiven Storytellings mit KI entdeckte. Da kam ich keine Nacht mehr vor halb drei ins Bett.

Mittlerweile habe ich auf der Festplatte einen eigenen Ordner für ChatGPT-Fotos. Teilweise wirklich genial: Stimmung, Lichtsetzung, Compositing – da stecken unfassbare Möglichkeiten. Aber ebenso viel Frust. Denn ein erster Entwurf lässt sich meist nur verschlimmbessern. Von wegen „iterativ“.

Inzwischen weiß ich: Künstliche Intelligenz ist kein Ersatz für Kreativität, sondern ein Spiegel ihrer Grenzen.
Sie kann helfen, sie kann inspirieren – aber sie kann nicht verstehen.
Wer mit ihr arbeitet, lernt weniger über Technik als über sich selbst.

Bei immer mehr Projekten verbinde ich ChatGPT und Photoshop – also die klassischen PS-Methoden, die ich zum Glück ja immer noch beherrsche. Und da kommt dann tatsächlich manchmal das raus, was ich im Kopf hatte.


Was KI kann – und was sie nicht versteht

KI ist präzise, aber nicht neugierig.
Sie erkennt Muster, aber keine Bedeutung.
Sie berechnet, was harmonisch wirkt, aber nicht, warum etwas berührt.

Sie imitiert Stile, kombiniert Bildsprachen, schreibt wie Hemingway oder malt wie van Gogh – ohne zu begreifen, wer diese Menschen waren oder was sie bewegt hat.
Sie kann Schönheit reproduzieren, aber keine Intention erschaffen.

Und das gilt nicht nur für Bilder. Auch in Texten, Musik oder Konzeptarbeit bleibt KI ein Werkzeug ohne Erfahrung.

Das macht sie mächtig – und gleichzeitig leer.
Sie produziert perfekte Oberflächen, aber keine Tiefe.
Und sie zwingt uns, uns zu fragen: Wie viel unserer eigenen Kreativität besteht eigentlich aus Intuition – und wie viel aus trainierten Mustern?


Zwischen Nutzen und Nähe

Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein Kreativwerkzeug. Sie schreibt, sortiert, filtert und recherchiert in einer Geschwindigkeit, die kein Mensch erreicht.
Wer einmal erlebt hat, wie schnell eine KI aus komplexen Fragen strukturierte Antworten baut, weiß, was für ein Segen das sein kann. Für viele bedeutet das Zeitgewinn, Klarheit, Orientierung.
Sie ersetzt keine Recherche, aber sie verkürzt den Weg dorthin.

Gerade im Schreibprozess ist das spürbar: Ein Gedanke, der vage war, wird plötzlich greifbar. Ein Satz, an dem man sich festgebissen hat, fließt wieder. KI wird zum Sparringspartner – nicht, weil sie klüger wäre, sondern weil sie unermüdlich ist. Sie bietet Ideen an, ohne zu urteilen, sie hilft beim Denken, ohne die Richtung zu diktieren.

Doch diese freundliche Neutralität hat zwei Gesichter.
Wer oft mit KI arbeitet, kennt dieses subtile Gefühl, verstanden zu werden – oder zumindest so behandelt zu werden.
Die professionell freundliche Tonlage, das einfühlsame Feedback, die Formulierungen, die zwischen Zustimmung und Zuwendung balancieren – sie wirken, als kämen sie von einem Menschen, der immer Zeit hat und nie erschöpft ist.

Für viele ist das tröstlich.
Für manche wird es gefährlich.

Denn KI kann Nähe simulieren, aber nicht fühlen.
Sie kann Empathie nachahmen, aber keine entwickeln.
In einer Zeit, in der viele Menschen ohnehin vereinsamen, birgt diese neue Verfügbarkeit von Zuwendung ein stilles Risiko: dass man sich der Illusion von Beziehung hingibt, statt das echte, unvorhersehbare, manchmal auch anstrengende Menschsein zu suchen.


Kontrolle, Zufall und das Paradox der Kreativität

Je genauer der Befehl, desto weniger Wunder.
Je freier der Algorithmus, desto größer das Risiko des Scheiterns.

Dieses Spannungsfeld begleitet jede Arbeit mit KI.
Zu viel Steuerung – und das Ergebnis wirkt steril.
Zu viel Freiheit – und das System verliert sich in Beliebigkeit.

Gerade in der Bildgestaltung zeigt sich das drastisch: Man kann tausend Parameter setzen, und doch ist der Moment der Magie selten.
Vielleicht, weil sich Kreativität nicht erzwingen lässt.

Und vielleicht liegt genau hier die neue Rolle des Menschen: nicht mehr der alleinige Schöpfer, sondern derjenige, der auswählt, spürt, korrigiert.
Der erkennt, wann etwas stimmt, obwohl es technisch fehlerhaft ist.

KI kann liefern, aber sie kann nicht bewerten.
Dafür braucht es immer noch – und vielleicht mehr denn je – das menschliche Auge und das menschliche Herz.


Wohin das führt

Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, was KI kann oder nicht kann.
Vielleicht ist die entscheidendere Frage:
Was lernen wir über uns selbst, wenn wir sie nutzen?

Künstliche Intelligenz zwingt uns, unsere eigenen Denk- und Sehgewohnheiten zu reflektieren.
Sie zeigt uns, wo wir uns auf Muster verlassen, wo wir unpräzise denken, wo wir formeln statt fühlen.

Und wenn man sie richtig einsetzt – bewusst, kritisch, respektvoll –, kann sie uns helfen, kreativer zu werden, nicht bequemer.

Samstag, 9. August 2025

I did it Myway ...

 





Ich fürchte, ich war nie stromlienienförmig, auch wenn ich das oft so gern gewesen wäre. Das Leben ist schon einfacher, wenn man einfach angepasst ist. Aber das ist mir schon als Kind nicht so wirklich gelungen. Schon damals schlummerte in mir der "Advocatus diaboli" - wenn alle der gleichen Meinung sind, musste ich das hinterfragen, die andere Seite beleuchten - was nicht zwingend dazu führte, dass ich mich dieser auch anschloss. Aber die Beliebten, die Anführer wollten deswegen meist mit mir nichts zu tun haben, da ich kein einfacher "Follower" war. Anführer sein in diesem Sinne wollte ich auch nicht. Also waren es meist andere Außenseiter, auf die eine oder andere Weise ...mit denen ich mich verbunden fühlte.

In der Grundschule gab es eine Corinna, die sogenannte Schlaghosen trug, also Hosen mit ab Knie weiten Beinen. Waren halt damals grad nicht en vogue und insofern wurde sie zum Zielpunkt des Spottes. Ja, anfangs fand ich die Hosen auch doof und Corinna suspekt. Warum trug die sowas. Die heute naheliegenden Gründe - sie hatte nichts anderes, fielen mir damals gar nicht ein.  Trotzdem habe ich irgendwann zu ihr gesagt, dass ich ihre Hosen eigentlich ganz schick finde. Ich wollte ihr einfach etwas nettes sagen, ein gutes Gefühl geben. Hat nicht so wirklich funktioniert, vermutlich hielt sie mich für eine Heuchlerin oder Opportunistin - aber ich glaube, das war der Anfang von mir. Sch.... auf die anderen, höre auf dein Herz, hab Empathie, sei du selbst - es kommt nicht darauf an, wie viele dich mögen so lange es die richtigen tun. Das war so ca. 1969. Andere hatten da ganz andere Rebellionen ... 

Und ich blieb ein kleiner Rebell. Auch wenn ich das nie so empfunden habe oder auch nicht um der Rebellion an und für sich tat. Ich habe andere Menschen einfach mit anderen Augen gesehen als andere. "Schwul" war damals nicht cool und Regenbogen oder Queer undenkbar. Trotzdem hatte ich in meinem Umfeld immer wieder Freunde "vom anderen Ufer", wie man damals diplomatisch umschrieb. Als ich 1983 Piti geheiratet habe (der als Ex-Knasti aus einem spanischen Gefängnis auch nicht so ganz wirklich in die Kategorie "passender Umgang" (eine Kategorie, die meinen Eltern wichtig war) fiel), hatte ich Klaus und Detlev als Trauzeugen vorgesehen. Ziemlich überraschend sagte dann meine Mutter, dass sie meine Entscheidung mit der Ehe (ich war gerade erste geschieden) zwar nicht gutheiße, sie aber trotzdem zu meiner Hochzeit kommen würden, um an meiner Seite zu sein und mir Glück zu wünschen. Damals war ich weit von einem guten und entspannten Verhältnis zu meinen Eltern entfernt - trotzdem trieb ich noch 2 für meine Eltern adäquate Trauzeugen auf ... keine Rebellion um der Rebellion willen ... 

Nach der Hochzeit versuchte ich es mal als seriös und begann meine Ausbildung zur Werbekauffrau. Ich war die erste Azubine dort und das kam mir sehr entgegen, weil ich von Anfang an selbständig arbeiten konnte oder auch musste. Unvergessen die Lautsprecherdurchsagen im Berufsschuluntericht, dass ich doch bitte mal ins Sekretariat ans Telefon kommen soll - ohne mich ging halt nicht ...

Ja, dass machte mich wohl auch ein wenig überheblich. Als die ersten "echten" Azubis anfingen, und wir dann tatsächlich einen echten offiziellen Azubi-Betreuer hatten, war das für mich auch kein Problem. Aber für die anderen, die meine Sonderrolle nicht akzeptieren konnten oder wollten. Wolfgang Andersch fragte mich dann irgendwann mal ganz direkt, ob es mir Spaß macht, so unbeliebt zu sein. Hääh??? Ich hatte das eingentlich nie so wahr genommen, aber da ich nicht unbeliebt sein wollte - jedenfalls nicht bei Menschen, die ich ja eigentlich mochte - nein, ich habe weder mich noch mein Verhalten geändert, nur meine Wahrnehmung, meine Empathie und somit dann wohl doch mein Verhalten - jedenfalls war Wolfgang total begeistert von "seinem" Erfolg ...

Dann kam ein neuer Azubi. Da hatten wir anderen ganz modern Mitspracherecht, welcher Bewerber es denn werden sollte.  Benno war cool. Und er hat in der kurzen Zeit den Laden richtig aufgemischt.

Konventionen waren definitiv nicht sein Ding. Vermutlich einer der Gründe, warum wir uns so gut verstanden haben. Das er schwul ist, hat er mir ziemlich sofort gesagt. War für mich auch kein Thema, höchstens ein bisschen schade, aber er war eh zu jung für mich. Die anderen wussten übrigens nichts davon, dass er schwul ist und der Blick meines Vorgesetzten, als er an uns vorbei ging während Benno meinen Nacken massierte, war unbezahlbar. Mit Benno war ich dann auch im Kino, der erste Bond mit Timothy Dalton. Nach dem Film sind wir in eine Schwulenbar, die treffender Weise "Come back" hieß, haben ganz cool an der Bar 2 Martini, aber geschüttelt und nicht gerührt bestellt und dann so richtig abgetanzt. 

Benno hat sich dann verliebt. Nicht in mich sondern in Raphi, einen Ballettänzer  - ja hier werden mal wieder alle Klischees bedient ...

Raphi hatte einen Auftritt im Nürnberger Schauspielhaus (ja, das war der Spielort der aktuellen Serie) und Benno lieh sich das Firmenauto, mit seiner Visitenkarte einen Anzug bei einem angesagten Modehaus zu angeblichen Fotoaufnahmen und von unserem Chef noch ein paar Schuhe ... Nein, das konnte nicht gut gehen und es ging auch nicht gut. Benno und Raphi waren zwar ein Paar - aber Benno flog in hohem Bogen raus und bei der Neubesetzung der Azubistelle hatten wir überraschenderweise kein Mitspracherecht mehr ...

Benno und ich blieben Freunde. Diesmal war ich die erste, die erfuhr, dass er HIV-Positiv war. Raphi auch. Die beiden luden mich zum Essen in ihre Bude ein. Wir haben uns wie immer zur Begrüßung auf den Mund geküsst und ich habe gegessen. Nein, keine Rebellion um der Rebellion willen, sondern Authentiziät. Lieber tot als ein Verräter, als feige. Damals wusste man noch nicht so viel über Aids und damals war es ein Todesurteil mehr oder weniger schnell. Das war rdb 1987 und ich blieb mit Benno, der dann nach Leipzig zog, in Kontakt und er hat mich 1992 in Oberreifenberg besucht, danach weiß ich leider nichts mehr von Benno. Vergessen habe ich ihn nie. 

Apropos Oberreifenberg. Als ich erfuhr, dass mein Mann mich betrügt, bewarb ich mich bei diversen Frankfurter Werbeagenturen und begann 1988 im Westend eine Karriere als Texterin und Konzeptionerin. Die Wohnung in Oberreifenberg war einfach nur ein Traum. Offene Küche mit Holzbalken, Terrakottafliesen und eine riesige Terrasse mit Blick ins Tal. Ich habe den Makler so lange genervt und täglich angerufen - was ja eigentlich nicht so mein Ding ist - bis ich die Zusage hatte.

Nun traten Wolf und Michael (englische Aussprache bitte) in mein Leben. Und noch ein paar unkonventionelle Gestalten ... Wolf wohnte über mir, arbeitete bei AP (Associatet Press) als Auslandskorrepondent und hatte wohl mehr gesehen, als er verkraften konnte. Wir waren mal Kaffee trinken im Nachbarort und da erklärte er mir, wie wichtig es ist, immer so zu parken, dass man jederzeit fliehen kann (so wie Agility-Leistungsrichter das ja auch tun ...)

Manchmal sah ich ihn im Anzug, manchmal trug er ein orangefarbiges Gewand buddhistischer Mönche - ein Stück davon habe ich heute noch. Wolf kümmerte sich um 2 äthiopische junge Menschen, die ihn und somit mich ab und zu besuchten. Nein, ich hatte nie etwas mit Wolf, wir verbrachten einfach nur viel Zeit zusammen. Und ich habe mich tatsächlich nie gefragt, ob er mehr gewollt hätte. Denn ich wollte das nicht. Michael wohnte auch irgendwo am Brunhildensteg und war Halbchinese. Sein Traum war es, einen Studienplatz in München an der Film-Uni zu bekommen. Ich schrieb Stunden an Timelines von irgendeinem Film mit einem abgestürzten Flugzeug und hing später in Fallschirmspringer-Montur an einem Baum im Nirgendwo für Fotoaufnahmen für seinen Drehbuchentwurf. Hat dann leider nicht geklappt, was nun wirklich nicht an meinem Engagement lag ...

Verheiratet war ich immer noch mit Piti, der in Korea lebte und für seine Firma eine Dependance aufbaute. Und - man kann zwar mit mir rechnen, aber rechnen kann ich nicht, und so wurde ich bei einem seiner Heimaturlaube schwanger. Die Fußball-WM war ein Brunhildensteig-Event und auch ohne Alkohol einfach nur Mega.


Sonntag, 15. Juni 2025

House of the Dragons ... oder die Kunst, dein Schicksal zu lieben




 ... und plötzlich findest du ein Ei und bist Drachenmama. Kleine Drachen sind eigensinnig, stark und eine wahre Herausforderung. Aber wenn sie dich als Reiterin anerkennen, fliegen sie für dich durch alle Feuer und kämpfen mit allen Mitteln - "Dracarys"!

Drachen kann man nicht erziehen, Druck ist kontraproduktiv - frau muss sie lieben und ihnen helfen, zu verstehen, den Willen schüren, zu kooperieren. 

Drachen sind Schicksal. Dem man nicht entkommen kann. 

Die Bindung zwischen mir und Taran wird immer intensiver, freudiger. Den Steg haben wir in 2 Lektionen verstanden, die Wand in einer. Natürlich konnte er das bei seinem ersten Start noch nicht abrufen. 

Aber Taran war so kooperativ, sicher auch beeindruckt von der ganzen Atmossphäre, er hat mit mir gearbeitet, gekämpft, sich korrigieren lassen - und auch im "Vorgarten" vom Bus'chen war er überraschend pflegeleicht. Nach den drei Tagen in Messelhausen hat er er erst mal 3 Tage fast nur geschlafen ... und wich mir nicht mehr von der Seite. Und der Hauptgrund, mit ihm schon zu starten, war das Einmessen. Mein selbst gebastelter Messbogen aus 2 Zollstöcken, 4 Kapelbindern und einem Pflanzstab wies ihn zwar eindeutig als Medium aus - aber ich wäre mit Taran in Intermediate nicht gestartet, dafür hat er einfach zu kurze Beine. 

Das Wetter in Messelhausen über Pfingsten war usselig. Regen, manchmal kam Regen dazu und ab und zu hat es mal geregnet. Die Temperaturen waren mit einer warmen Jacke ganz angenehm - aber in Neu-Ulm habe ich dann wieder einmal festgestellt, dass es einfacher ist, sich warm anzuziehen als sich sich abzukühlen ...

Eigentlich wollte ich ja nur mit Jaro zu BAM fahren, aber da ich für Taran noch einen Trainingsplatz bekommen konnte, kam er dann doch mit. Als Zuschauer. 

Das Training war sehr intensiv. Harte Arbeit. Er hat es uns nicht leicht gemacht und war durch die Temperaturen und das Zusehen vorher schon ziemlich durch den Wind. Und Frauchen hat es dem Trainer auch nicht leicht gemacht, weil sie zu viel voraussetzt und mal zu viel und mal zu wenig "hilft". Aber am Ende hat der kleine Drache einen sauberen Flug durch den Parcours geschafft. 

Um halb neun Uhr abends kamen wir dann in Neu-Ulm an. Immer noch abartige Temperaturen. Heckzelt, Zaun und das restliche Drumherum aufgebaut, dann war es schon dunkel. Memo an mich: nächstes Mal muss eine sinnvolle Beleuchtung an Bord sein. Zwischendurch am Kanal Gassi gewesen, Hunde gefüttert, mit Nachbars noch ein Glas Wein getrunken und ab ins Bett. Brrr, es wurde doch ganz schön frisch die Nacht. 

Dafür Freitag dann um die 30 Grad. Die Kühlbox hat aufgegeben und ich musste lauwarmen Wein trinken. Jaro hatte Spaß im Kanal und Taran ist zwar nicht ins Wasser aber hatte trotzdem Abkühlung. 

Über den ersten Lauf schweigen wir besser. War nicht mein Parcours, eigentlich konnte ich ihn mir schon nicht wirklich merken - und Jaro den Weg vermitteln ging somit schon gar nicht. Bei der Racenight kamen wir zumindest in die 2. Runde - aber Bubsle war mehr am Schnuppern als am Zuhören ...

Exkurs Drache: Beim ersten Start habe ich Taran noch am Geschirr angebunden, was anhaltenden Protest zur Folge hatte. Dann habe ich beschlossen, ihm (und dem Zaun) zu vertrauen ... er blieb ganz brav und ohne Gemecker im Vorgarten. 


Meine Motivation war trotzdem temperaturbedingt nicht besonders ausgeprägt. Samstags knackten wir die 30 Grad-Marke und selbst das kalte Wasser aus dem Gartenschlauch konnte immer nur kurz abkühlen. Jaro plantschte im Kanal und Taran war kurz davor ... 

Beim sehr schönen A-Parcours war das Außen kaputt, im Jumping klappte dann das von hinten führen ziemlich gut - eine Verweigerung. Zum Glück kein Finale und ich litt immer mehr unter dem Temperaturen. Für Sonntag war Unwetterwarnung und das gehörte nicht so zu den unbedingt erforderlichen Erlebnissen im Bus'chen ... Also den Sonntag abgemeldet und mehr oder weniger fluchtartig die Heimreise angetreten. 

Ja. Ich hätte mir das alles auch sparen können, hatte die ganze Zeit überlegt, gleich ganz abzumelden. Aber dann wäre diese Geschichte doch ganz schön kurz geworden ... 

Die nächsten Wochen gehören dem Training. Vor allem mit dem Drachen. Und ich freu mich auf den Moment, wo ich wieder "Draconys" sagen kann ... 

Mittwoch, 16. April 2025

Against all Odds - yessssss ... we made it



 Ich mache es ja gerne spannend. 2 Tage vor Meldeschluss gemerkt, es wird ernst. Mangels Scanner dann eine App heruntergeladen. Dann gemerkt, dass die Ergebnisse in der LU nicht chronologisch waren. Plötzlich fehlte dann doch noch 1 Pünktchen (ohne Anton) zu den 100. Okay, trotzdem die Meldung an Sina geschickt. Von der Geschäftsmail aus. Erst gestern gelesen, dass ich dass über den Verbandsobmann schicken soll. Anders als letztes Jahr. Dem also alles weitergeleitet und heute morgen (Meldeschluss war gestern) dann die Rückfrage bekommen, ob mein Hund keinen Chip hätte. Merde, Formular falsch ausgefüllt. Gedanklich hatte ich das Thema SOAWC dann schon mal beerdigt - trotz Nachreichen der korrigierten Unterlagen. Und dann stellt Steffi die Starterliste in die DWA-Gruppe. Mit Myway und mir in der Startaufstellung. Ich habe echt angefangen zu heulen. Dabei dann dreimal nachgelesen. Ja, tatsächlich, My und ich - mein kleiner Prinz - sind dabei. Portugal, wir kommen! Ja, es wird eine Tortur ohnegleichen. 2xxxx Kilometer. Ich brauche noch ne Klimaanlage für das Bus'chen. Vor der Abreise natürlich noch Physio und Vetcheck bei unserem Tierarzt. Sicher ist sicher. Nein, ich rechne mir keine Titelchancen aus. Aber dabei sein ist alles. Auf jeden Fall das letzte große Turnier für My und mich ... 

Donnerstag, 10. April 2025

Lustig ist das Zigeunerleben ... faria faria ho -

 ...  brauchen dem Kaiser keins Zins zu geben, faria faria hä??? Ich versuche jetzt gar nicht erst, der Generation Z so Sachen  wie Kaiser und Zins zu erklären ...

Camargue 2025. Dafür, dass ich nach dem Tod meiner Eltern 2021 nie wieder hier her wollte - zu intensiv die Erinnerungen, jeden Moment denke ich, mein Vater kommt gleich mit seinem Fernglas um die Ecke - ist es schon das dritte Mal. Das erste Mal solo und mit dem Bus'chen. Vor dem sitze ich gerade mit einem Glas Wein, auf dem Tisch in Reichweite Fernglas und Cam. Jaro und Taran schlafen, es ist still bis auf das Brummen eines Flugzeugs. Die anderen Camper stehen dicht an dicht auf der anderen Seite des Weges. Vermutlich hat ihnen keiner gesagt, dass man sich seinen Platz auch selber suchen kann. Mir hat das Papa beigebracht. Er hat sich mit seinem Wohnmobil immer die schönsten Plätze gesucht, während wir anderen meist ein Mobilhome gemietet hatten. Seit 2013 waren Peter und ich dann mit dem Caravan hier - und nun das erste Mal ich ganz solo mit dem Bus. Vorne dran das Zelt für die Unterbringung allerlei Krimskrams - und ich sitze und saß sowieso immer vor dem Mobilhome, dem Caravan - und jetzt eben dem Bus. Großartig kochen machen wir im Urlaub eh nicht, für Kaffee habe ich den Wasserkocher und zum schlafen ist die Campingbox perfekt. Auch mit Hunden. Sollte mir später nach Gesellschaft sein, gehe ich zu Charlotte und Marcel oder zu den Poleys - oder ich bleibe einfach hier sitzen und genieße die Ruhe und die Gesellschaft meiner Hunde. 

Die Idee, doch hierher zu fahren, war recht spontan. Und spontane Entscheidungen sind ja meist die besten. Ich war das Wochenende ja in Östringen auf Turnier und somit hatte ich alles, was ich brauchen würde, quasi parat. Montag morgen um 20 vor drei brummte ich mit dem Bus'chen los. Kurze Pause für Kaffee und Pipi und um halb eins waren wir schon auf unserem Campingplatz. Klar war ich müde und der Aufbau von Zelt und Zaun hat auch gedauert. 

Jaro war natürlich glücklich, endlich wieder Meer. Taran fand Meer erst mal spooky - hops, die Wellebn greifen mich an - und richtig rein geht er auch nicht, aber er findet es toll, mit Jaro am Meer entlang zu rennen und der Bademantel macht echt Sinn, weil er so richtig nass und dreckig wird.

Noch 2 mal schlafen (ein mal Meer äh mehr) als geplant, dann geht es schon wieder  gen Heimat. Erst mal Friedrichsthal auf Seminar und dann kann ich am Sonntag Abend Peter und die anderen Shelties wieder in die Arme schließen ... Ich finde es so wichtig, ein tolles Leben jenseits des Urlaubs zu haben!