Meine Mutter hätte gesagt, der ist wirklich was fürs Herz. Ja! Immer wenn ich ihn sehe, geht mir das Herz auf. Unfassbar niedlich. Und Zuhause frech wie Oskar. Mittlerweile fängt sogar Jaro an, seine Abneigung zu Überdenken. Und während Ari bei Taran mit vollem Körpereinsatz spielt, Myway in Ruhe lässt, ist er bei Jaro motiviert aber vorsichtiger. Haut seine kleinen Pfoten vor Jaro auf den Boden. manchmal toucht er auch auf den Kopf.
Schwarz-Weiß-Blond - die Border, das Sheltie und ich
Mittwoch, 10. Juni 2026
Freitag, 17. April 2026
Das-da-da - oder Love at first sight
Schicksal? Gibt es das? Vorbestimmung? Nun ja, keine Philosophie, Fakten. Montag morgen (heute ist Freitag) in die Regenbogendrachen-WhatsApp-Gruppe geschaut. Und:Whäm. Dieser kleine Sheltie, den Valerie da eingestellt hatte und der noch ein Zuhause suchte - Zuckerschock! Ich schrieb dann - da war noch ein Funken Vernunft in mir - "nimm das bitte weg". 10 Minuten später Anruf von Valerie. Mit einem eindeutigen Angebot. Und sie könne ja mittags mal zum Kaffee bzw. Tee kommen.
Ausgangslage: ich wollte eigentlich einen Border Collie. Mein Mann eigentlich keinen Hund mehr.
Also Valerie zugesagt, Tee im Büro organisiert, Bier und Kuchen (Drachenfutter) für Peter.
Hab Peter aber fairerweise gesagt, dass Valerie nicht nur zum Tee kommt. Und Valerie hatte ich gesagt, dass er ein Mitspracherecht hat.
Und dann war Ari auf meinem Arm - tja, Leben passiert, während man gerade andere Pläne hat.
Peter sagte wie vorhergesehen nein, und damit hatte er sein Mitspracherecht ja gehabt. Hatte gesprochen. Kurzer Blick von mir zu ihm, dann sagte ich Valerie: ja, passt, bleibt.
Valerie so leicht schockiert: hattest du nich gesagt, er hätte ein Mitspracherecht? Ich: ja, hatte er doch. Gesprochen hat er. Hab nicht gesagt, dass er entscheiden soll.
Okay, wer uns jetzt nicht kennt: Peter und ich sind seit 27 Jahren zusammen. Und ich kann ein Nein von einem Veto unterscheiden.
Also, Ari blieb - und wenn ich den Hund hätte backen lassen, wäre er genau so geworden. Clever, aufgeschlossen, neugierig, nicht draufgängerisch, aber auch nicht vorsichtig. Lief am ersten Abend schon durch die Wohnung, als ob er nie was anderes gekannt hätte. Die anderen akzeptierten ihn auf Anhieb. Abends in mein Bett gelegt mit den anderen - und einfach mal so durchgeschlafen.
Dienstag mit ins Büro. Hat alle sofort um die Kralle gewickelt. Lag während des Meetings auf meinem Schoß und hat entspannt geschlafen.
Heute waren wir dann in Münster, weil Peter einen Termin hatte. Musste er das erste Mal in der Box mitfahren. Fand er bissi blöd, hat sich dann aber in sein Schicksal ergeben. Kurzer Spaziergang zum Rathaus. Neugierig, interessiert, aufgeschlossen.
Morgen fahren wir dann nach Hemsbach, Jaro startet, Ari bekommt den nächsten Kulturschock und Frauchen geht bei den Hopps schoppen.
Bin so happy -und wenn ich Peter jetzt sagen würde, er geht zurück ... würde er sagen: nee, der gehört hierher!
Freitag, 12. Dezember 2025
Schicksal - was ist das eigentlich und braucht man das?
hmm, ist das Leben eine Aneinandereihung von Zufällen? Oder ist alles vorherbestimmt? Determismus vs. Freiheit? Entscheide ich im Rahmen meiner Möglichkeiten, die von Genetik, Erziehung, Entwicklung und dem Ergebnis voran gegangener Entscheidungen vorgegeben sind?
Ich diskutiere das tatsächlich gerade mit Chatjpt. Unter besonderer Berücksichtung von Kant, Descartes, Religion ...
Vorläufiges Ergebnis: (M)ein Leben ist wie ein großes Schienennetz. Schienen sind zum Beispiel Naturgesetze (ich bin kein Vogel und kann nicht fliegen), genetisch bedingte Anlagen (ich bin empathisch, kein Hanibal Lecter, ich habe Wehwehchen aber keine chronischen Defekte). Die Weichen sind meine bewussten Entscheidungen - wobei ich natürlich nie weiß, wohin die Reise dann geht. Stelle ich eine Weiche, geht ein Weg verloren - andere öffnen sich. Wie beim interaktiven Storytelling. Wobei es da keinen Zufall gibt. Aber ich denke, im richtigen Leben schon.
Worum geht es im Leben? Glück? Erfüllung? Liebe? Vermeiden von Schmerz?
Ich glaube, das gehört so zu den Weichen, die man stellt. Was einem wichtig ist.
Geprägt hat mich meine Familie. Meine Großeltern, Unna und Pa. Mama und Papa. Als wir noch in Braunschweig gelebt haben, sind wir am Wochenende immer raus ins Grüne. Langweilige Waldspaziergänge hat mein Papa immer aufgelockert, in dem er mich "als Kundschafter" voraus geschickt hat. Er hat mich auf Bäume gesetzt (kleine Bäume) und wir haben Picknick gemacht.
Vielleicht glorifiziere ich die Ehe meiner Eltern und Großeltern (ja, im Nachhinein weiß ich, dass ich das tue), aber für mich war immer klar: Wenn ich groß bin, will ich auch mal "lieben".
Und da Geduld noch nie zu meinen Kernkompetenzen gehört hat, find ich beizeiten an. Helmut Sturm, ich glaube den habe ich auf dem Kur-Laub in Helgoland getroffen. Ich war 5, er 15. Er hat mich gar nicht zur Kenntnis genommen. Aber ich habe von ihm geschwärmt. (Und ich hätte es vergessen, aber ich habe es dummerweise mal meinen Eltern erzöhlt, und die haben dafür gesorgt, dass es niemals nie vergessen werden wird.
Mein nächster Schwarm, an den mich meine Famlie lebenslang erinnert hat, war ein blond gelockter Gardian, so eine Art französicher Cowboy. Wir waren in Südfrankreich, Les Saintes Maries de la Mer. Für mich das erste Mal. Für meinen Vater war es schon ornithologisch sein "gelobtes Land" seit er irgendwann in Jugendtagen mal einen "Lichtbildvortrag" über die Camargue gesehen hatte. Anfang der 70er Jahre hat er sich in Begleitung meiner Mutter diesen Traum erfüllt. Campingplatz, kleines Zelt, klappriger VW. Ich wurde ins Ferienlager geschickt, mein Bruder zu den Großeltern. Zu dieser Zeit war mein Vater Assistent des Duisburger Zoodirektors Dr. Wolfgang Gewalt. Papa musste immer noch seinen Studienkredit zurückzahlen, finanziell war es nicht üppig. Doch wenige Jahre später - Papa hatte mittlerweile seinen "eigenen" Zoo in Heidelberg, packte er Frau und Kinder ein und es ging in das Licht und die Farben des Südens. Geld hatten meine Eltern immer noch nicht, wir hatte ein kleines Zelt, meine Luftmatratze gab mindestens einmal pro Nacht den Geist auf. Wir waren auf dem Campingplatz La Brise, direkt an einem kleinen Wasserlauf - und das Mittelmeer fast direkt vor der Zelttür. Ich war 14, Pubertät, Rebellion, voller Verlangen nach Freiheit und Abenteuer. Dieser blonde Gardian, der auf seinem weißen Camargue-Pferd die Touristen auf dem staubigen Pfad auf der anderen Seite des Gewässers vorbeiführte, triggerte genau meine Sehnsucht. Jedes Mal, wenn ich das Klappern der Hufe hörte, kämmte ich mir schnell die Haare und schaute sehnsüchtig über das Wasser - was bei meiner Familie leider weniger auf Verständnis stieß denn zu ziemlich gnadelosen Spott führte. War natürlich sehr tröstlich für einen Teenager im hormonell-emotionalen Chaos - aber auch dies ist Teil der Familie Poley. Nicht umsonst bekam mein späterer Ehemann (ja, ich habe tatsächlich jemand gefunden ...) die Wahl zwischen zwei Lebensmotti: Der Gerechte muss viel leiden - oder: Unter Räubern gibt es kein Mitleid. Piti hat sich schon am nächsten Tag für Motto 2 entschieden - das mit dem Leiden kommt in dieser Familie ganz von selbst ...
Irgendwie entwickelt sich diese Geschichte genau so wie Tristam Shandy. Der will seinen mehr oder weniger geneigten Lesern von seiner Geburt erzählen. Dazu kommt es allerdings nie. Oder zumindest nicht im ersten Drittel des Buches, mehr habe ich nicht gelesen - zur nachhaltigen Enttäuschung meines Ehemannes, der irgendwie davon ausgegangen war, ich fände das Buch so spannend und lesenswert wie er.
Aber gut, zurück in die 70er, nach Les Saintes Maries de la Mer. Für mich war es tatsächlich der Beginn einer nie endenden Leidenschaft. Das Licht und die Farben, der Wind und die salzige Luft, die Gerüche nach Meer, Fisch, Gewürzen, Oliven. Viele Marrokaner, viele Zigeuner, die man damals noch so nennen durfte, wenig Touristen. Ein paar Andenkenläden rund um die Festungskirche, die schon aus der Ferne Maries dominierte. In der Sakristei diese schwere Stille, das gedämpte Licht durch die bunten Fenster und die vielen Kerzen, die vor dem Marien brannten. Die Statue ihrer schwarzen Dienerin Sara, die Schutzpatroning der Sinti und Roma, die jedes Jahr an Pfingsten ins Meer getragen wird, um an ihre Ankunft über das große Wasser zu erinnern, steht unterirdisch in einer kleinen Krypta, gehüllt in prunkvolle Gewänder. Neben ihr ein Gefäß für Bitten an die heilige Sara und Dank für erfüllte Wünsche und Heilung. Die Luft ist warm von den unzähligen Kerzen, es riecht nach heißem Wachs.
Meine einzige Bitte an Sara: ich möchte wieder hierherkommen. Das ist jetzt 50 Jahre her - und es blieb bei jedem meiner unzähligen Besuche in der Camargue auch der einzige - außer dem, dass der Rest der Familie ebenfalls heil eintreffen und wiederkommen sollte.
Zurück in der Wirklichkeit, den schmalen Gassen von Maries, gab es für uns Kinder eine Orangina und ein Stück Baguette. Vor dem Zelt grub mein Vater ein Loch und improvisierte mit einem Stück Draht einen kleinen Grill. Ja, es war eher ärmlich, aber das warme Licht auf der Salikornie, das leuchtende Blau des Etang, die Rufe der Flamingos, die wie fliegende Streichhölzer über den Campingplatz flogen, das immerwährende Geschrei der Möwen und Seeschwalben - ab und zu riss mein Vater sein Fernglas hoch und nahm ein paar Limikolen ins Visier ...
Chronologie ist etwas für den Geschichtsunterricht. Oder irgendwelche Annalen. Ich sitze gerade auf dem Otzberg, Hessen, genau in Ober-Klingen. Meine jüngste Tochter ist zu Besuch. Eigentlich wollten wir auf ein Krimi-Dinner im Odenwald. Aber das Event wurde gecancelt. Und nun haben wir gekocht, gegessen und schauen Serien. Wir, das ist auch Peter, mein Ehemann. Der dritte und hoffentlich letzte. Er ist meine ganz große Liebe. Neben uns unsere 4 Hunde, 3 Shelties, Myway, Lasse und Taran und Border Collie Jaro. Agilityhunde, mit denen wir die Wochenenden in unserem Caravan in Östringen verbringen.
Eine Zeitreise von der Camargue in den 70ern nach 2025. Es ist viel passiert. Viel Schönes und viel Nervenaufreibendes. Gewinne und Verluste. Vielleicht sollte ich doch noch mal in die 1970er und die Chronologie einsteigen ...
Zurück aus meinem persönlichen Traum nach Heidelberg. Neue Schule. Gymnasium. Mädchenschule. Katholisch, strenge Nonnen aber auch weltliche Lehrer. Eine Rektorin, die mich mit ihrer Fairness und ihrem Gerechtigkeitsinn geprägt hat.
Meine neuen Mitschüler mussten meinen Urlaubsenthusiasmus miterleben. Noch Jahre später wurde liebevoll gelästert, dass jeder zweite Satz von mir mit "als ich in der Camargue war ..." begann. Es gibt so viele unvergessliche Momente an Schulspeisung mit dem morgendlichen Kakao. An Sportunterricht, wo wir am liebsten Volleyball gespielt haben - aber natürlich trotzdem vorher das Pflichtprogramm an Geräten abarbeiten mussten. An die Tischtennis-AG wo ich richtig gut war. Diesen ersten sommerlichen Moment, wo ich auf dem Schulhof saß und den Rock bis zu den Knien hochzog. Wärme genoß. Und dann plötzlich das Klopfen mit einem Gehstock auf meiner Schulter. "Ein anstängiges Mädchen sitzt nicht so da", meinte die bucklige Nonne, Spitzname Giftzwerg. Ich war 17 und immer noch rebellisch. "Ich bin kein anständiges Mädchen". "Das weiß ich ..." sie sah mich an und war überzeugt, dass ich in der Hölle landen würde ...
Mittwoch, 5. November 2025
Camargue – Unsere Flitterwochen im Wind
Camargue – Unsere Flitterwochen im Wind
Ein Reisetagebuch von Petrina Poley & Peter
April 2010
Prolog – Der schönste Geburtstag
Am 3. April 2010 fahren wir los.
Papas Geburtstag – ein Datum, das wir nie vergessen würden.
Damals schien es romantisch, symbolisch, fast wie ein stiller Gruß an ihn.
Heute wissen wir: Es war beides – Anfang und Erinnerung, Sonne und Schatten.
Teil I – Aufbruch
Knapp drei Stunden nach Mitternacht verlässt unser silberner BMW den Heimathafen Münster in Richtung Süden. Die Nacht ist still, die Straßen leer, nur das Scheinwerferlicht zieht eine schmale Bahn ins Dunkel.
Peter fährt, ich fahre bei, Lotte und die Hunde schlafen.
Gegen Viertel vor sechs überqueren wir die Grenze. Es regnet, der Tempomat summt. Halb acht, Dole, Halbzeit. Tankstopp, Hunde lüften. Die Fahrt ist lang, aber sie riecht nach Aufbruch.
Kurz vor Lyon tauchen Easy Rider auf, und ich zähle Kilometer, bis wir endlich Arles erreichen. Weiße Pferde links, Rohrweihe rechts – 2:0 für mich.
Dann die Petit Rhône – wir sind in der Camargue.
Teil II – Ankommen
In Cabanes de Cambon erwartet uns ein kleines Paradies:
Terrasse, Licht, Wind, Raum.
Ein Haus, das sofort „ja“ sagt.
Wir laden aus, funken nach Hause, melden „angekommen“.
Abends im Les Embruns: Soupe de Poisson, Stiergulasch, Mousse au Chocolat, Rosé.
Die Hunde schlafen, der Teenager schmollt, wir trinken Rotwein.
Der Wind erzählt vom Meer, und die Nacht riecht nach Salz und Anfang.
Teil III – Croissants und Katzen
Der Ostersonntag beginnt mit Licht.
Fly schläft oben bei uns, Donna bleibt unten – Prinzipien.
Während Peter und Lotte ums Badezimmer kämpfen, gehe ich mit den Hunden hinaus.
Milchiges Morgenlicht über dem Canal, ein Hahn kräht, Pferde schnauben.
Croissants werden ans Tor geliefert – noch warm, noch besser als in Deutschland.
Dann erscheint eine Katze, stolz wie eine Königin.
Fly schaut demonstrativ weg, Donna versucht Hypnose.
Die Katze gewinnt.
Nachmittags: Abbrivado in Saintes-Maries – Staub, Hufe, Jubel, Stiere.
Abends Baguette, Fromage, Rotwein. Ich schlafe beim Tatort ein.
Die Flitterwochen atmen.
Teil IV – Tage zwischen Wind und Sonne
Manchmal ist Glück nur ein Glas Rotwein auf einer stillen Terrasse.
Cabanes de Cambon liegt da wie eine vergessene Melodie: still, abgelegen, wunderbar.
Lotte hadert mit sich, mit ihrem Auge, mit der Welt.
Wir lassen sie – und fahren allein nach Maries. Austern, Markt, Abbrivado, Sonne.
Später Spaziergang am Strand, die Hunde im Glück.
Abends trotzt Lotte der Welt, klettert über das Tor.
Ich fahre ihr hinterher, sammle sie ein, schweige.
Manche Gespräche erledigt der Wind besser.
Die Camargue atmet. Ich atme mit.
Teil V – Unter der Sonne von Le Sambuc
Markt, Pâté, Käse, Olivenöl, Sonne.
Peter schläft auf der Terrasse, die Hunde liegen still,
und die Katze kommt wieder – selbstbewusst wie ein kleines Schicksal.
Der Tag ist träge, perfekt.
Fly ignoriert die Katze, Donna hofft auf Wunder.
Ich schreibe, der Wind schläft.
Abends Pizza, dann wieder ein Teenagerdrama.
Ich höre lieber den Grillen zu.
Die Nacht summt.
Teil VI – L’Estrambord und der Regen
Das Wetter kippt, und mit ihm die Stimmung.
Regen, Wind, graues Licht.
Fly rollt sich ein, Donna seufzt ans Fenster.
Wir essen im L’Estrambord: Kalbsbraten, Sauce, Käse, Crème brûlée.
Später auf der Terrasse: Tropfen auf Holz, Rotwein, Dämmerung.
Ich denke: Vielleicht sind solche Tage die wahren Flitterwochen –
die, in denen man einfach nur ist.
Teil VII – Markt, Sonne und Abschiedsvorboten
Am nächsten Tag: Sonne, Markt, Leben.
Ich kaufe Stiefeletten, Peter bekommt einen Gürtel, die Hunde einen langen Spaziergang.
Das Meer glitzert, Fly rennt, Donna fliegt.
Die Camargue schenkt uns noch einmal ihr Licht.
Teil VIII – Abschied im Licht
Zehnter April.
Wir lassen uns Zeit. Noch einmal durch Saintes-Maries, noch einmal Les Embruns, noch einmal Salz auf der Haut.
Dann die Straße entlang des Étang.
Ein Brachvogel im Schilf – mein persönlicher Abschiedsgruß.
Abends Deutschland.
Küche, Wein, müde Stimmen.
Die Hunde schlafen, der Himmel ist fremd.
Aber ein Teil von uns bleibt dort,
zwischen Wind und Sonne,
zwischen Salzgras und Himmel.
Epilog
Manchmal sind die schönsten Reisen die, die man nie ganz zurücklässt.
2010 war Camargue, Liebe, Familie, Wind und Salz –
und alles, was bleibt, wenn man beides trägt: Erinnerung und Gegenwart.
Sonntag, 2. November 2025
🐾 Vier Wege, ein Herz – Meine Agility-Geschichte
🐾 Vier Wege, ein Herz – Meine Agility-Geschichte
Sie heißen Jaro, Taran, Myway und Lasse.
Vier Hunde, vier Temperamente, vier Spiegel dessen, was ich bin und war.
Manchmal denke ich, sie sind nicht nur meine Hunde – sie sind Kapitel meines Lebens.
Jaro, der Sturm.
Sechs Meter in der Sekunde, präzise, explosiv, hellwach.
Er liest meine Gedanken, noch bevor ich sie formuliere.
Manchmal denke ich, er kennt mich besser als ich mich selbst.
Wenn er läuft, ist das keine Arbeit, es ist Telepathie.
Wir fliegen, jeder Schritt von mir nur ein Hauch,
er nimmt ihn auf und verwandelt ihn in Geschwindigkeit.
Er ist der Beweis, dass Vertrauen schneller ist als Beine.
Taran, mein kleiner Drache.
Er liebt das Leben so sehr, dass er es manchmal gar nicht abwarten kann.
Für ihn ist jedes Turnier ein Fest, jede Aufgabe ein Abenteuer.
Er sieht das Ziel und denkt: Da liegt bestimmt das Beste überhaupt!
Aber er lernt, und er wächst, und mit jedem Lauf
leuchtet sein Blick ein bisschen klarer, ruhiger, echter.
Wenn er rennt, höre ich sein Herz lachen.
Myway, der Gentleman.
Zehn Jahre, silberner Bart, goldene Seele.
Er hat so lange gebraucht, bis er seinen Mut fand,
bis Richter und Fotografen ihm egal wurden,
bis er einfach er selbst sein durfte.
Jetzt läuft er mit Stolz und mit Freude,
nicht, um zu gewinnen, sondern um dabei zu sein.
Und wenn ich die anderen hole und er protestierend schaut,
dann weiß ich: Er ist noch nicht fertig mit dem Leben.
Lasse, mein leiser Held.
Als er kam, war er halb verhungert, fast durchsichtig.
Wir haben ihn aufgebaut, Körper und Seele zugleich.
Er wollte alles richtig machen,
und aus Angst, etwas falsch zu machen, tat er manchmal gar nichts.
Ich musste ihn durch die Parcours klatschen, lachen, anfeuern,
ihm zeigen, dass Fehler keine Schande sind.
Er war nie laut, nie fordernd,
aber er war da – zuverlässig, sensibel, rein.
Und als er irgendwann sagte: Ich mag dich, aber ich brauche das hier nicht mehr,
habe ich verstanden, dass Liebe auch heißt, loszulassen.
Und so stehen sie da – vier Wesen, vier Geschichten.
Jeder trägt eine andere Melodie,
und zusammen sind sie mein Lied.
Es geht nicht um Titel, Zeiten oder Siege.
Es geht um Herzschlag, Freude, Staub unter den Pfoten
und um dieses stille Wissen:
Wir gehören zusammen.
Mittwoch, 29. Oktober 2025
Unna - Charlotte Bönig, geboren Hake - meine Großmutter
Meine Oma – Charlotte Bönig, geborene Hake
Charlotte arbeitete später als Dienstmädchen bei einem Pfarrer, bis sie meinen Großvater, Erich Bönig, kennenlernte. Sie heirateten, und aus dieser Ehe ging ein Kind hervor: meine Mutter, Ingrid.
Das Leben war nicht immer einfach. Mein Großvater ging irgendwann fremd; es entstand ein weiteres Kind mit einer anderen Frau – ein Kind, das geistig behindert war. oder wegen einer Meningitis wurde. Das sind so die Dinge, die man erst nachfragt, wenn keiner mehr da ist, um die Fragen zu beantworten. Für meine Mutter, die damals schon alt genug war, um all das zu verstehen, war das ein einschneidendes Erlebnis.
Trotz allem blieb das Familienband bestehen. Meine Mutter arbeitete später im Veterinäramt in Braunschweig – und war dort sehr geschätzt. Ihr Chef war ein ausgesprochener Fan von ihr. In dieser Zeit lernte sie meinen Vater kennen, der am Zoologischen Institut studierte und über Kolibris promovierte.
Als sie mit mir schwanger wurde, war sie berufstätig, während mein Vater noch studierte – er hatte kein Geld, sie trug den Haushalt. Ich kam dann etwas stürmisch zur Welt, eine echte Sturzgeburt, wie alle sagen, die mich kennen. Eine entfernte Nichte des äthiopischen Kaisers Haile Selassie massierte meiner Mutter während der Geburt den Rücken. Währenddessen ging mein Vater, ganz nach alter Tradition, mit Freunden „das Kind pinkeln lassen“.
Da meine Mutter bald wieder arbeiten musste, wuchs ich überwiegend bei meiner Oma auf, die eigentlich keine Oma sein wollte und deswegen den Namen Unna wählte. Warum auch immer. Meine Mutter wurde für ihre Enkel dann später "GroMu" - Große Mutter. Zunächst lebten wir alle in einem Zimmer bei meinen Großeltern, später zogen meine Eltern in eine kleine Wohnung an der Hagenbrücke in Braunschweig. Jeden Morgen, am Bürgerpark, fand die Übergabe statt: Meine Mutter brachte mich zu meiner Oma, bevor sie ins Amt ging.
Als mein Vater promoviert hatte, zog die kleine Familie nach Duisburg, wo er im Zoo eine Stelle als Oberassistet bekam. Ich lerne dort unter anderem reiten und machte jede Menge Unsinn. Doch meine Großeltern blieben immer Teil meines Lebens. In den Sommerferien war ich oft bei ihnen – und diese Wochen sind bis heute in mir wie ein warmer Sommergeruch.
Mein Großvater stammte aus Hellental im Solling. Dort hatte seine Familie ein Haus, und er besaß das Wohnrecht in der Dachkammer – ohne Bad, nur mit einem Marmeladeneimer als Toilette. Aber für mich war es das reinste Abenteuer. Wir sammelten Heidelbeeren und Pilze, während meine Oma in der Küche Sirup, Gelee und Marmelade einkochte.
Zwei ihrer Rezepte sind bei uns unsterblich: ihre Karottensuppe, die ich heute noch immer koche, wenn jemand krank ist – und ihre Kartoffelpuffer, mit denen ich mit meinem Großvater regelrechte Wettessen veranstaltete. Sein Rekord lag bei neunzehn Stück, meiner bei dreizehn – kleine zwar, aber immerhin!
Kurz nach seiner Pensionierung brach mein Großvater eines Tages, nach dem Apfelkauf, im Flur tot zusammen. Für meine Oma war das ein tiefer Einschnitt, aber sie trug ihr Leben weiter mit dieser stillen, bodenständigen Kraft, die sie immer ausgezeichnet hatte.
Im Laufe der Jahre wurde sie älter, und wenn jemand den Altersstarrsinn erfunden hat, dann wahrscheinlich meine Oma. Ich erinnere mich an einen Geburtstag, den wir irgendwo in der Nähe von Walldüren feierten – mein Bruder war damals bei der Bundeswehr stationiert. Sie wollte keine Geschenke, fand den ganzen Trubel übertrieben. Ein anderes Mal machten wir ein spontanes Geburtstagsessen im Pentahotel Heidelberg – sie war stundenlang beleidigt, weil sie glaubte, das sei nur passiert, weil sie „zufällig da war“. Dass es geplant war, wollte sie nicht glauben.
Als mein Bruder heiratete, feierten wir im Hotel in Schwetzingen. Am nächsten Morgen – wir hatten durchgefeiert – kam meine Mutter ins Zimmer und sagte nur: „Unna ist weg.“
Bevor wir suchen konnten, kam sie schon zurück – gebracht aus dem Nachbarhotel, wo sie gestürzt war. Sie war einfach abgehauen. Typisch Unna.
Es gibt Teile ihrer letzten Jahre, über die ich nicht schreiben kann, weil sie zu weh tun. Ich weiß nur, dass wir irgendwann den Anruf bekamen, sie öffne nicht mehr die Tür. Meine Mutter und ich fuhren von Heidelberg nach Braunschweig. Die Nachbarin hatte einen Schlüssel, war aber schon bei ihr gewesen – Oma war bereits vom Bestatter abgeholt.
Natürlich hatte sie alles arrangiert: die Blumen, die Bezahlung, jedes Detail. Das war meine Oma – kontrolliert, bis zuletzt.
Mama und ich durchsuchten die Wohnung, weil wir wussten, da muss noch etwas sein, was sie uns hinterlassen wollte. Wir fanden tatsächlich zwischen den Laken im Kleiderschrank Geldscheine. Hätte man auch liegen lassen können, aber gut – das war so ein Moment, in dem man lacht und weint zugleich.
Bei der Beerdigung lernte ich zum ersten Mal Rolf, einen Cousin, kennen – mit blonder Minipli-Frisur. Mein Bruder Dirk und ich mussten uns sehr zusammenreißen, nicht loszuprusten.
Wenn ich an meine Oma denke, denke ich auch an Eisenbüttel, wo Heino und Emma wohnten, mit dem großen Garten an der Oker. Ich saß dort gerne am Wasser, sah den Enten zu, manchmal machten wir kleine Kahnfahrten. Mein Großvater, der bei Siemens gearbeitet hatte, brachte mir dort immer Papierrollen mit – dieses alte Endlospapier mit den Löchern an der Seite. Darauf habe ich gezeichnet, geschrieben, geträumt. Vielleicht hat meine Liebe zum Geschichten-Erzählen dort angefangen.
Und bis heute kann ich die Tagesschau-Hymne nicht hören, ohne an meine Großeltern zu denken: wie ich auf dem Sofa lag, halb eingewickelt in die Wolldecke, das Fernsehen flimmerte, und meine Oma mir abends Brot mit winzig klein geschnittenen Schinkenwürfeln machte – nicht diese gekauften, sondern selbstgeschnittene, wie alles bei ihr.
Ich war immer ihre Prinzessin.
Und mein Opa fuhr eine Isetta – dieses winzige, kugelige Auto, das aussah, als hätte jemand ein Lächeln auf vier Räder gestellt.
Manchmal denke ich, dass so vieles von dem, was ich bin – meine Wärme, meine Dickköpfigkeit, meine Art, mich durchzubeißen – direkt aus ihrer Küche, ihrem Garten und ihren Kartoffelpuffern stammt.
Dienstag, 28. Oktober 2025
Können Algorithmen träumen ... ?
Während mein Bruder und meine Mädels schon letztes Weihnachten von ChatGPT schwärmten, blieb ich eher skeptisch.
Mehr natürliche Intelligenz – oder besser: emotionale Intelligenz – erschien mir wesentlich erstrebenswerter. Nein, ich hatte keine Angst, dass KI die Weltherrschaft anstrebt – das tun ja nicht mal meine Hunde. Ich sah nur keinen Sinn darin.
Und so wurde es August 2025, bis ich tatsächlich meine ersten Schritte auf diesem neuen Feld wagte.
Ursprünglich ging es um Recherche. Und da war ChatGPT tatsächlich unschlagbar. Statt hundert Google-Beiträge zu filtern, hatte ich in zehn Sekunden alles Relevante auf dem (Bild-)Schirm – und konnte sogar noch nachfragen oder bekam aktiv das Angebot, mich weiter zu unterstützen.
Irgendwann landete ich in Facebook auf einer KI-Seite, auf der es um Bildgestaltung ging.
Fast wie Magie.
Ein paar Worte eingeben – und plötzlich entsteht ein Bild. Eines, das aussieht, als wäre es fotografiert, gemalt, gefühlt.
Aber nur fast.
Denn während Hunde und mein Mann da immer gut aussahen, wirkte ich selbst eher wie aus der Seniorenresidenz entwichen. Und mein Wortschatz erweiterte sich um so nette Begriffe wie „iterativ“ und „narrativ“. Letzteres vor allem, als ich irgendwann die Möglichkeiten des interaktiven Storytellings mit KI entdeckte. Da kam ich keine Nacht mehr vor halb drei ins Bett.
Mittlerweile habe ich auf der Festplatte einen eigenen Ordner für ChatGPT-Fotos. Teilweise wirklich genial: Stimmung, Lichtsetzung, Compositing – da stecken unfassbare Möglichkeiten. Aber ebenso viel Frust. Denn ein erster Entwurf lässt sich meist nur verschlimmbessern. Von wegen „iterativ“.
Inzwischen weiß ich: Künstliche Intelligenz ist kein Ersatz für Kreativität, sondern ein Spiegel ihrer Grenzen.
Sie kann helfen, sie kann inspirieren – aber sie kann nicht verstehen.
Wer mit ihr arbeitet, lernt weniger über Technik als über sich selbst.
Bei immer mehr Projekten verbinde ich ChatGPT und Photoshop – also die klassischen PS-Methoden, die ich zum Glück ja immer noch beherrsche. Und da kommt dann tatsächlich manchmal das raus, was ich im Kopf hatte.
Was KI kann – und was sie nicht versteht
KI ist präzise, aber nicht neugierig.
Sie erkennt Muster, aber keine Bedeutung.
Sie berechnet, was harmonisch wirkt, aber nicht, warum etwas berührt.
Sie imitiert Stile, kombiniert Bildsprachen, schreibt wie Hemingway oder malt wie van Gogh – ohne zu begreifen, wer diese Menschen waren oder was sie bewegt hat.
Sie kann Schönheit reproduzieren, aber keine Intention erschaffen.
Und das gilt nicht nur für Bilder. Auch in Texten, Musik oder Konzeptarbeit bleibt KI ein Werkzeug ohne Erfahrung.
Das macht sie mächtig – und gleichzeitig leer.
Sie produziert perfekte Oberflächen, aber keine Tiefe.
Und sie zwingt uns, uns zu fragen: Wie viel unserer eigenen Kreativität besteht eigentlich aus Intuition – und wie viel aus trainierten Mustern?
Zwischen Nutzen und Nähe
Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein Kreativwerkzeug. Sie schreibt, sortiert, filtert und recherchiert in einer Geschwindigkeit, die kein Mensch erreicht.
Wer einmal erlebt hat, wie schnell eine KI aus komplexen Fragen strukturierte Antworten baut, weiß, was für ein Segen das sein kann. Für viele bedeutet das Zeitgewinn, Klarheit, Orientierung.
Sie ersetzt keine Recherche, aber sie verkürzt den Weg dorthin.
Gerade im Schreibprozess ist das spürbar: Ein Gedanke, der vage war, wird plötzlich greifbar. Ein Satz, an dem man sich festgebissen hat, fließt wieder. KI wird zum Sparringspartner – nicht, weil sie klüger wäre, sondern weil sie unermüdlich ist. Sie bietet Ideen an, ohne zu urteilen, sie hilft beim Denken, ohne die Richtung zu diktieren.
Doch diese freundliche Neutralität hat zwei Gesichter.
Wer oft mit KI arbeitet, kennt dieses subtile Gefühl, verstanden zu werden – oder zumindest so behandelt zu werden.
Die professionell freundliche Tonlage, das einfühlsame Feedback, die Formulierungen, die zwischen Zustimmung und Zuwendung balancieren – sie wirken, als kämen sie von einem Menschen, der immer Zeit hat und nie erschöpft ist.
Für viele ist das tröstlich.
Für manche wird es gefährlich.
Denn KI kann Nähe simulieren, aber nicht fühlen.
Sie kann Empathie nachahmen, aber keine entwickeln.
In einer Zeit, in der viele Menschen ohnehin vereinsamen, birgt diese neue Verfügbarkeit von Zuwendung ein stilles Risiko: dass man sich der Illusion von Beziehung hingibt, statt das echte, unvorhersehbare, manchmal auch anstrengende Menschsein zu suchen.
Kontrolle, Zufall und das Paradox der Kreativität
Je genauer der Befehl, desto weniger Wunder.
Je freier der Algorithmus, desto größer das Risiko des Scheiterns.
Dieses Spannungsfeld begleitet jede Arbeit mit KI.
Zu viel Steuerung – und das Ergebnis wirkt steril.
Zu viel Freiheit – und das System verliert sich in Beliebigkeit.
Gerade in der Bildgestaltung zeigt sich das drastisch: Man kann tausend Parameter setzen, und doch ist der Moment der Magie selten.
Vielleicht, weil sich Kreativität nicht erzwingen lässt.
Und vielleicht liegt genau hier die neue Rolle des Menschen: nicht mehr der alleinige Schöpfer, sondern derjenige, der auswählt, spürt, korrigiert.
Der erkennt, wann etwas stimmt, obwohl es technisch fehlerhaft ist.
KI kann liefern, aber sie kann nicht bewerten.
Dafür braucht es immer noch – und vielleicht mehr denn je – das menschliche Auge und das menschliche Herz.
Wohin das führt
Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, was KI kann oder nicht kann.
Vielleicht ist die entscheidendere Frage:
Was lernen wir über uns selbst, wenn wir sie nutzen?
Künstliche Intelligenz zwingt uns, unsere eigenen Denk- und Sehgewohnheiten zu reflektieren.
Sie zeigt uns, wo wir uns auf Muster verlassen, wo wir unpräzise denken, wo wir formeln statt fühlen.
Und wenn man sie richtig einsetzt – bewusst, kritisch, respektvoll –, kann sie uns helfen, kreativer zu werden, nicht bequemer.




