Sonntag, 15. August 2021

Jaro - Licht in der Dunkelheit





Obwohl wir ja schon ein Rudel in "Sind-das-alles-Ihre"-Stärke hatten, wurde immer klarer, dass noch mal ein Border Collie bei uns einziehen sollte. Wir hatten diverse Würfe verfolgt und auch schon einen Wurf angefragt, der dann aber nicht zu Stande kam. Ein "übrig gebliebener" Welpe hatte uns auch ganz gut gefallen, aber er war weg, eh wir in die Pötte gekommen waren. Schicksal. Der richtige Hund wurde mich finden, das war klar. Dann las ich eine interessante Wurfplanung von einer langjährigen Bekannten, von der ich wusste, dass sie keine halben Sachen machen würde. Hündin und Rüde gefielen mir gut - also fragte ich mal an, ob Nicole mir einen ihrer Welpen anvertrauen würde. Wir trafen uns zur gemeinsamen Gassirunde, Nicole zeige mir, wo die Welpen geboren und aufwachsen würden und erklärte mir detailliert, wie ihre Zuchtziele aussehen, welche genetischen Risikofaktoren bestehen könnten ... für mich war es das erste mal, dass ich einen ungeborenen bzw. sogar ungezeugten Welpen plante. So begann nun das Warten auf Maes Läufigkeit. Dann noch mal 4 Wochen auf den Ultraschall. Und Richtung Geburtstermin lag die Spannung fast greifbar knisternd in der Luft. 

Da ich die meisten meiner Hunde letztendlich über Foto ausgesucht hatte, waren meine Favoriten im "all about"-Wurf schnell gefunden. All about Eve sollte dann bei Nicole bleiben - der kleine Rüde würde es also werden, wenn beim Antrittsbesuch der gegenseitige Funke überspringen würde. Vorher brauchte es für die erste Zuchtabnahme allerdings schon mal einen Namen. Drei Tage brachte ich Google zum glühen. Aus 20 Namen in der engeren Wahl blieben fünf. Dann tickerte mich Nicole an: bis zum Wochenende braucht sie eine Entscheidung. Und die war dann klar: Jaro. Licht in der Dunkelheit. Wie sehr ich dieses Licht brauchen würde, war damals noch nicht wirklich abzusehen - und ist auch nicht Bestandteil dieses Blogs. Aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich keinen besseren Namen hätte finden können. 

Der erste Besuch. Ich war aufgeregt. Wenn Jaro mich nun nicht mögen würde? Soll ja schon vorgekommen sein. Aber Jaro war von Anfang an unser Hund gewesen. Er war der erste, der auf meinen Schoß gekrabbelt ist. Und so bezaubernd alle Welpen waren - ich hätte Jaro gegen keinen anderen oder andere getauscht. 

Wegen privater Turbulenzen konnte ich Jaro nur noch einmal besuchen, aber Nicole hielt uns fast täglich mit Videos aus der Wurfbox und dem Welpenauslauf auf dem Laufenden. Die Welpen wurden mit Spielzeug, Außenreizen und Ausflügen perfekt auf ihr späteres Leben vorbereitet. Auch die Physiotherapie und natürlich den Tierarzt lernten sie kennen. 

Endlich war Tag X da, der 7. August. Born with style's all about Jaro zog auf den Berg. Die neue Welpenbox brauchte den wenigsten Platz im Auto, für die üppige Aussteuer - Liegematte, Decke, Spielzeug, Porzellannapf, Futter für die ersten Tage - hätten wir schon fast einen Hänger gebraucht. 

Die Fahrt fand Jaro ziemlich doof, vermutlich fühlte es sich für ihn eher wie eine Entführung an. Und die Shelties kommentierten gnadenlos jedes Piepsen von ihm ... Die Rudelzusammenführung verlief dann aber relativ entspannt und abends waren alle vier (Fly war bei Herrchen geblieben) schon gemeinsam auf Abendrunde am Berg. Ganz vertraut und entspannt - als ob Jaro schon ewig zu uns gehören würde - aber so rein energetisch tut er das vermutlich auch ... 












Das wichtigste Lernziel für alle meine Hunde ist es, zur Ruhe zu kommen. Das geht am besten in der Box. Die ersten paar Tage habe ich Jaro jedes mal, wenn er eingeschlafen war, in seine Box gelegt. Auch wenn er zu sehr überdreht hat, hab ich ihn entweder auf den Arm genommen und sanft gehalten oder in die Box gelegt. Dazu gab es ein leises "müüüüüüdääääää". Als Strafe hat er das nie empfunden und schläft immer noch nachts gerne in seiner Box. Glück hab ich, dass er wirklich durchschläft, auch wenn ich sechs Uhr schon ziemlich früh finde, um aufzustehen ... da bin ich durch das Homeoffice echt verwöhnt.


Mit dem Clicker bereite ich Jaro schon mal auf sein späteres Leben als Agility- und Begleithund vor. Außer aufs Gymnastikkissen kann Jaro sich schon auf die Waage stellen - 5,6 Kilo wiegt er im zarten Alter von mittlerweile 9 Wochen und 3 Tagen. Im Vergleich zu seinem Bruder mit 6 Kilo ist er da eher zart. Aber das liegt sicher an der vielen Bewegung und den tollen Spaziergängen auf dem Berg - natürlich in welpengerechten Umfang. 




Mit am wichtigsten ist natürlich der Rückruf, der aktuell sogar dann klappt, wenn er eigentlich gerade etwas besseres vorhat. Den Rückruf zu so festigen, dass es auch noch klappt, wenn das Kerlchen mal in die Pubertät kommt, ist mir logischerweise wichtiger als alles andere. 



Nach einer Woche kamen uns dann Nicole und Schwester Eve besuchen. Nicoles Sorge, Jaro hätte sie schon vergessen, erwies sich als völlig unbegründet. Eve und Jaro tobten non-stop über die Terrasse und später auf der Wiese - beide haben danach richtig gut geschlafen.














Einfach Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt - 10 Tage ist das Lichtlein nun schon bei uns ... ich genieße jede Sekunde dieser wunderschönen Welpenzeit, so schnell sind sie groß.


Sonntag, 28. März 2021

Canon R6 - Liebe auf den dritten Klick ...

 Meine treue Canon 5 D Mark 2 entwickelte nach fast 10 Jahren leider Autofokus-Probleme. Mal passte es - aber immer öfter konnte ich selbst unbewegte Motive nicht scharfstellen. 

Also musste Ersatz her. Ich liebäugelte ja mit der Mark 4 - aber in einem Facebook-Canon-Forum wurde mir die R6 wärmstens ans Herz gelegt. Nach der Lektüre von ein paar Testberichten machte sich die R6 auf den Weg zu mir.

Beim Auspacken erst mal Enttäuschung. Dieses äbsche Plastikteil hab ich mir jetzt für doch so viel Geld bestellt ...??!? Zum Glück hatte ich wenigstens irgendwo noch ne passende Speicherkarte in der Schublade, nach 5 Wutanfällen hatte ich auch im Menue die Reiter gefunden, diese zu formatieren - (Bedienungsanleitung: VERGISS ES!!!!) also konnte ich zumindest mal den Auslöser drücken.

Nächster Frust: das Datenkabel der Mark 4 passte nicht - und auch sonst keines der gefühlt 1001 Kabel in meinen Schubladen.

Dann kam der erste Pluspunkt: alle Fotos waren ratzfatz via Bluetooth auf meinem Handy. Gut, die Qualität der Fotos war jetzt nicht so überzeugend, aber ohne Lightroom-Entwicklung und ohne wirklich durchdachte Einstellungen war das jetzt erstmal nicht so problematisch. Was auf jeden Fall überzeugte: das Teil war rattenschnell. 

Die nächsten Tage trafen dann eine ausreichende Speicherkarte, das Datenkabel und ein professionell-teures Handbuch ein. Letzteres ist schon wieder retour - die Strukturierung des Buches entsprach nicht so wirklich meinen Erwartungen.

Ach, fast vergessen: für den Anschluss meiner EF-Objektive brauchte es einen Adapter. Der funktionierte wunderbar, auch wenn es nicht der Originale war. 

So mittlerweile, nach gut einer Woche, freunde ich mich mit der R6 immer mehr an. Mit dem nächsten Buch, das hoffentlich morgen kommt, wachsen wir vielleicht noch ein bisschen mehr zusammen. Denn je mehr Technik umso mehr Probleme. Rattenschnell ist klasse - aber der Autofokus muss halt auch wissen, wo er hinsoll. Und die R6 hat ja sogar einen Tieraugen-Fokus. Und der trackt genial.

Ja. Die R6 ist angekommen bei mir. Und ich freu mich auf unser Zusammenwachsen. Gerade und vor allem bei Bewegungen im Agility ... 









Mittwoch, 30. Dezember 2020

Rückblick 2020 - oder: Was ist das Gegenteil eines Coronaleugners?

 



In den letzten 50-60 Jahre gab es wohl kaum ein Jahr, das fast ausschließlich von einem einzigen Thema bestimmt wurde. Die vergangenen 366 Tage haben die Menschheit polarisiert und gespalten, tiefe Keile in Familien und Freundschaften getrieben.  Worte wie "Corona-Leugner", "Verschwörungstheoretiker",  "Aluhutträger" sind in den selbstverständlichen Sprachgebrauch eingegangen.

Ignoranz und Intoleranz feierten nicht nur im Social Media fröhliche Urständ. Moralkeulen-Schwingen  wurde für viele zur Trendsportart 2020. Die einzige Sportart übrigens, die durchgängig stattfinden durfte. 

Für uns - für meine Familie und mich - war 2020 eigentlich eher ein gutes Jahr. Meine Nichte, die am Silvesterabend schwer verunglückte und lange im künstlichen Koma lag, hat überlebt und auch dank Familie wieder Lebensqualität - auch wenn es nie wieder sein wird, wie vorher. Meine Mama hat sich nach ihrem Sturz trotz aller Schmerzen und Beschwerden durchgekämpft - es wird nie wieder, wie es war, aber ich habe noch vor einem Jahr nicht damit gerechnet, dass wir noch einmal so viel entspannte Normalität haben werden.

Die Kündigung unserer Wohnung, in der Peter immerhin weit über 40 Jahre lebte, erwies sich im Nachhinein als Glücksfall: vor einem Jahr, also Ende 2019, sind wir auf unseren "Berg" gezogen, der für uns schon jetzt zur gefühlten Heimat wurde. Auf unserer neuen Terrasse hatten Slalom und Wippe Platz und sorgten neben Training für angemessene Bespaßung. In den wenigen Turnieren, die durchgeführt werden konnten, stieg Klein-Lassie erst in die A1 und dann in die A2 auf. Und die unfreiwillige Entschleunigung schaffte mehr Zeit für andere Hobbies wie Fotografie und Bildbearbeitung. 

2020 - ein etwas anderes Jahr also. Mit vielen Anstößen und Entwicklungen, die als Perspektiven für die nächsten Jahre durchaus positive Effekte haben könnten.

Das coronabedingte Homeoffice hat vielen Firmen gezeigt, dass Arbeit auch nachhaltiger und klimaneutraler gestaltet werden kann. Urlaub in Deutschland wurde wiederentdeckt. Das als spießig angesehene Camping fand wieder neue Freunde. Was aus diesen Impulsen werden kann, wenn die Impfung Corona als Pandemie tatsächlich besiegt, bleibt abzuwarten.

In wenigen Stunden wird aus 2020 das Jahr 2021. Ob und was sich ändert, liegt an jedem selbst. Und natürlich an dem Quäntchen Glück, der Prise Schicksal, dem Löffelchen Mut und dem unbeugsamen Willen, aus allem das Beste zu machen. 

Willkommen 2021! Ich bin sehr gespannt auf meinen ganz persönlichen kleinen Traum ... 

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Wut. Ich bin einfach nur wütend. ja, und auch traurig, deprimiert, fassungslos ...

 Der neue Lockdown ist da. Gnadenfrist bis nächsten Montag. Noch einmal Turnierluft schnuppern. Ich hoffe, das Virus weiß, dass es jetzt bis Montag zurückhalten muss ... bei aller Vorfreude auf das zumindest vorerst letzte Turnierwochenende stelle ich mir natürlich die Frage: wenn die Situation so verzweifelt ernst ist, dass unser Land mal wieder an die Wand gefahren wird, die gastronomische und kulturelle Szene auf mindestens Jahre lahmgelegt werden - WIE UM ALLER WELT KANN MAN NOCH VIER TAGE EINFACH SO WEITER MACHEN???? Da stimmt doch was nicht. 

Ich war von der Notwendigkeit des ersten Lockdown überzeugt. Und ich bin auch jetzt noch nicht zu den Aluhutträgern übergegangen. 

Aber den Aktionismus jetzt kann ich nicht nachvollziehen. Die Superspreader waren überwiegend in der Partyszene, im privaten Feierbereich und in grenzwertigen Industriezweigen aktiv. (Letztere werden hoffentlich so oder so bald der Vergangenheit angehören!).

Weder in der Gastronomie noch bei sportlichen Amateurveranstaltungen, nicht im Fitnessstudie oder in Spielhallen gab es nennenswerte Vorfälle. 

Trotzdem wird genau hier ein Riegel vorgeschoben - die Partygänger und Privatfeierer schert das nicht, die machen weiter wie bisher. 

Ganz bedenklich finde ich auch, dass ich sicher nicht die einzige bin, die mit ohnmächtiger Wut nicht nur die Ignoranten und Verweigerer verflucht, sondern auch die meines Erachtens völlig unverhältnismäßigen Maßnahmen der Regierung - also von Frau Merkel und den Länderchefs. Gab es da noch ein Parlament, dass man eventuell hätte fragen müssen?

Ich persönlich kann das für mich ja entspannt sehen. Ich lebe auf meinem Berg mit meinem Mann und meinen Hunden und meinem Homeoffice, koche und mache Bildbearbeitung und facebooke ... ich rege mich nicht für mich auf oder wegen mir, sondern ich mache mir Sorgen - um Menschen, die mir nahe stehen und denen wieder mal die Existenzgrundlage entzogen wird. Um Menschen, die ich nicht mal kenne und die am existentiellen Abgrund stehen. Und darüber, dass diese Maßnahmen falsch und überflüssig sind und wir alle wieder ganz umsonst Opfer bringen. 

Dienstag, 8. September 2020

Summer's almost gone ...

 Komme gerade von der Abendrunde und es ist schon fast dunkel. Aber ein herrliches warmes Licht. Und diese friedliche Stille auf unserem Berg - ich liebe es einfach. Morgens ist es schon recht kühl. Aber ich komme mir vor wie ein Landjunker, wenn ich in Gummistiefeln und mit Weste über unser Terrain stapfe. Einfach Glück. Wenn ich daran denke, wie wir vor einem Jahr um dieses Glück gekämpft haben als wir unsere alte Heimat verloren haben und noch nicht wussten, dass die neue Heimat so perfekt werden wird. 

Das Drama zum Jahreswechsel, als wir um unsere Lieben - Mama und Sophie - bangen mussten und nicht zu hoffen wagten, dass es noch einmal so eine gepflegte Normalität geben könnte. 

Ja, ich bin glücklich und dankbar. Und ich lebe jeden Moment, denn Glück ist eine Seifenblase, die sehr schnell platzen kann.

Auch im Alltag kann ich nur sagen: läuft. Mein kleines Rudel ist einfach so liebenswert und harmonisch. Homeoffice gibt mir einfach Freiräume, ohne dass mein Job darunter leidet. Es gibt ja diese abfällige Bemerkung über "Kriegsgewinnler". Ich bin eben ein "Coronagewinnler". Gestern und Heute. Que sera ...

Der leidenschaftliche Mittelpunkt unseres Lebens bleibt Agility. Fast jedes Wochenende sind wir in der DWA in Östringen. Mal abgesehen vom funktionierenden Hygienekonzept - ich laufe gerne auf Teppich und ich laufe gerne diese schnellen Parcours. Bei unserem einzigen Outdoor-Turnier in Waldacker kam ich mir vor wie im Hamsterkäfig ... 

Agility läuft einfach richtig rund. Für Hope ist es vermutlich die letzte Saison und ich denke, sie weiß dass, denn sie gibt einfach noch mal alles. Es ist einfach nur perfekt mit ihr zu laufen. Two hearts beat as one.



Mit Myway werde ich immer mehr zum Team. Es macht einfach nur Spaß mit meiner kleinen Lektion in Geduld. Wir werden den Winter über in Östringen trainieren ( haha, siehe Post Ehrgeiz) und ich freu mich einfach auf all das, was in uns steckt ...




Lasse hat es in einem einzigen Wochenende in die A2 geschafft. Zum Glück habe ich mit Silke eine wahnsinnig einfühlsame Trainerin, mit der wir über den Winter all das lernen, was wir für anspruchsvolle Parcours brauchen werden. 

Wer jetzt denkt, ich wäre ausgelastet ... ich hatte mir Hopsi erste Erfahrungen auf dem SUP-Board gesammelt und auch wenn die Saison wohl mehr oder weniger vorbei ist - wir freuen uns auf 2021 auf dem Wasser!




Last but not least fotografiere ich wieder mehr und beschäftige mich intensiv mit den verschiedenen Facetten der Bildbearbeitung in Photoshop und Lightroom. 






Ab und an noch mal kochen und so - schon ist der Tag auch schon wieder  rum ...

Freitag, 31. Juli 2020

Entkuppeln, Handbremse lösen und durchstarten ...

... das war der Plan heute beim Training in Riedstadt. Einfach Gas geben und sich nicht selber durch Kopfkino ausbremsen - klappt am besten ohne Hunde. Und ohne Zuschauer ... Meine filmender Göttergatte wusste ja vorher, was er da zu sehen bekommt: spooky Bilder von seiner Frau, die ohne Hund durch den Parcours rennt und den unsichtbaren Begleiter dabei verbal motiviert und dirigiert. Beim Stegabgang hab ich dann auf dem Video Schatten gesehen als ob das doch was mit mir im Parcours war ... wirklich fast schon unheimlich.



Spannende Frage: klappt das auch mit Hund. Antwort von Radio Eriwan: im Prinzip schon ...

Einfach nur rennen und kreischen hat nicht gereicht. Aber es war sehr aufschlussreich zu sehen, an welchen Stellen der Hund mich wirklich braucht. Insofern auch ein Teambildungsexperiment. Und auch wenn das "Weg" nach dem Slalom gut geklappt hat, zieht der Wechsel eben deutlich mehr ...



Auch Lasse hat sich auf das Durchstarten recht gut eingelassen. Bei ihm muss ich halt noch sehr viel deutlicher führen. 



Aber ich bin mit dem Experiment zufrieden. Die Wiederholung ist für nächste Woche schon geplant.
Das Ziel: Synthese aus mehr Rennen und mehr Führen ... 

Dienstag, 28. Juli 2020

Ehrgeiz - was ist dann eigentlich und darf man das überhaupt ...?


Als ich Sonntag glücklich vom Turnier nach Hause kam, meiner Mama die Videos von den Läufen zeigte und mich einfach so freute, wie toll meine Hunde mit mir gearbeitet haben, sagte meine Mama: "Ja, du bist schon ganz schön ehrgeizig."

Da war ich erst mal sprachlos. Ich fühle mich so gar nicht ehrgeizig. Es geht mir auch nicht um den Erfolg, auf dem Treppchen zu stehen. Ein schöner, runder Lauf, in dem mein Hund und ich eins werden. Two Hearts beat as one. Das ist für mich Agility. Und dafür tue ich wirklich alles. Ich habe meine Agilityterrasse, buche Hallen und Seminare. Stehe vor dem Spiegel und versuche zu sehen, was mein Hund sieht, wenn ich führe. Schaue anderen Läufern zu, versuche aus Fehlern zu lernen und zu verstehen, warum etwas funktioniert. Nehme Kritik dankbar an. Das klingt jetzt doch irgendwie ehrgeizig. Oder ambitioniert, hört sich irgendwie netter an. Aber was ist eigentlich so schlimm an dem Begriff "Ehrgeiz"?

Per Definition ist Ehrgeiz erst einmal nichts anderes als das Streben nach persönlichen Zielen - wie Anerkennung, Einfluss, Erfolg, Wissen, Macht etcpp. Ehrgeiz orientiert sich dabei nicht zwingend an materiellen Vorteilen, sondern eher an z.B. wissenschaftlichen, forscherischen oder sportlichen Erfolgen. Wer ehrgeizig ist, will etwas erreichen, etwas schaffen, etwas beweisen - vor allem sich selbst. Ohne dieses innere Feuer und den mitunter eisernen Willen zur Machbarkeit wären so manche Erfindungen und Entwicklungen ausgeblieben. Dann wäre die Erde immer noch eine Scheibe - was sie für manche Zeitgenossen ja auch zu sein scheint ... 

Je mehr ich mich durch die Archive klicke, um so spannender wird das Thema und wirft ganz neue Fragen auf: Gibt es Menschen, die so wirklich gar keinen Ehrgeiz haben? Oder sind die "wirklich ehrgeizigen" diejenigen, die auf allen Feldern ihres Tuns ehrgeizig sind? Was genau ist Erfolg? Gibt es "Abstufungen des Ehrgeizes", gibt es "gesunden" und "krankhaften" Ehrgeiz?

In meinem kleinen Blog führen diese Fragen sicher zu weit. Als gesunden Ehrgeiz bezeichnen die meisten vermutlich alles, was sie selber nachvollziehen können und was ihrer eigenen Art von Ehrgeiz entspricht. Krank ist dann eben alles andere.

Für mich gilt das Motto Leben und Leben lassen. So lange es nicht zu Lasten des Hundes geht, darf gerne jeder nach seiner Facon glücklich werden. Und das gleiche Recht nehme ich auch für mich in Anspruch.

Damit das Thema jetzt nicht in der Theorie verhungert, noch ein wenig Live vom letzten Turnierwochenende in der DWA. 

Ich bin sehr froh, dass es diese wirklich perfekt organisierten Turniere gibt. War aber bei Steffi und Co. schon immer so. Die einzigen, die sich getraut haben, Minuten bei den Zeitplänen anzugeben. (Passend zum Thema "ambitioniert".)

Von den Abläufen können die Großkopferten der Politik noch was Lernen. Auch ohne Andi Rinnert als Türsteher war alles klar geregelt. Und mal als Einser-Starter so reinmogeln bei den Dreiern war eben nicht.

Wir waren wieder mit dem Agi-Mobil da. Für mich ist absolut nicht nachvollziehbar, warum der Verband das so kritisch sieht. Es entzerrt die Anwesenheiten in der Halle und den sanitären Anlagen. Eigentlich doch eher vorbildlich.


Mit Myway macht Agility mittlerweile richtig Spaß. Er ist ganz schön flink geworden und arbeitet mit mir. Wenn ich mir die Videos so anschaue, sind wir auf einem super Weg - aber da geht noch mehr. Viele Führvarianten haben wir nicht trainiert, wir sind noch nicht hundertprozent eingespielt und meine Ansagen kommen oft viel zu spät. Bei diesen Betrachtungen geht es auch wieder nicht um den Ehrgeiz, öfter auf dem Treppchen zu stehen oder dort eine Stufe höher. Sondern mit dem Bewusstsein in einem anspruchsvollen Parcours anzutreten, dass wir das können. Und dann auch wirklich durchzukommen ...







Hope, meine wunderbare Prinzessin, sie ist einfach mein Verlasshund. Wir sind nun schon so lange ein Team, dass sie mich liest wie ein Buch, meine Gedanken errät, auch wenn ich das Gegenteil zeige. Agility mit Hope ist pures flüssiges Glück in meinen Adern. Aber auch hier geht noch was. Viel zu oft konzentriere ich mich zu sehr auf mich und gebe ihr die wichtigen Informationen über den weiteren Laufweg viel zu spät. Ist das nun Ehrgeiz, wenn ich das besser machen will? (Ironie off).

Last but not least der Lasse. Seinen dritten Nuller ist er gelaufen und muss nun in die A1. Es ist mühsam mit ihm. So wie es dass mit Myway war. Und irgendwann ganz am Anfang mit Hope. Aber es fühlt sich so an, als ob ich das mit der Geduld doch irgendwie verstanden hätte. Irgendwann läuft es nicht nur - dann flitzt es. Hoffentlich gibt es dann kein Foto von meinem dummen Gesichtsausdruck ...