Als ich Sonntag glücklich vom Turnier nach Hause kam, meiner Mama die Videos von den Läufen zeigte und mich einfach so freute, wie toll meine Hunde mit mir gearbeitet haben, sagte meine Mama: "Ja, du bist schon ganz schön ehrgeizig."
Da war ich erst mal sprachlos. Ich fühle mich so gar nicht ehrgeizig. Es geht mir auch nicht um den Erfolg, auf dem Treppchen zu stehen. Ein schöner, runder Lauf, in dem mein Hund und ich eins werden. Two Hearts beat as one. Das ist für mich Agility. Und dafür tue ich wirklich alles. Ich habe meine Agilityterrasse, buche Hallen und Seminare. Stehe vor dem Spiegel und versuche zu sehen, was mein Hund sieht, wenn ich führe. Schaue anderen Läufern zu, versuche aus Fehlern zu lernen und zu verstehen, warum etwas funktioniert. Nehme Kritik dankbar an. Das klingt jetzt doch irgendwie ehrgeizig. Oder ambitioniert, hört sich irgendwie netter an. Aber was ist eigentlich so schlimm an dem Begriff "Ehrgeiz"?
Per Definition ist Ehrgeiz erst einmal nichts anderes als das Streben nach persönlichen Zielen - wie Anerkennung, Einfluss, Erfolg, Wissen, Macht etcpp. Ehrgeiz orientiert sich dabei nicht zwingend an materiellen Vorteilen, sondern eher an z.B. wissenschaftlichen, forscherischen oder sportlichen Erfolgen. Wer ehrgeizig ist, will etwas erreichen, etwas schaffen, etwas beweisen - vor allem sich selbst. Ohne dieses innere Feuer und den mitunter eisernen Willen zur Machbarkeit wären so manche Erfindungen und Entwicklungen ausgeblieben. Dann wäre die Erde immer noch eine Scheibe - was sie für manche Zeitgenossen ja auch zu sein scheint ...
Je mehr ich mich durch die Archive klicke, um so spannender wird das Thema und wirft ganz neue Fragen auf: Gibt es Menschen, die so wirklich gar keinen Ehrgeiz haben? Oder sind die "wirklich ehrgeizigen" diejenigen, die auf allen Feldern ihres Tuns ehrgeizig sind? Was genau ist Erfolg? Gibt es "Abstufungen des Ehrgeizes", gibt es "gesunden" und "krankhaften" Ehrgeiz?
In meinem kleinen Blog führen diese Fragen sicher zu weit. Als gesunden Ehrgeiz bezeichnen die meisten vermutlich alles, was sie selber nachvollziehen können und was ihrer eigenen Art von Ehrgeiz entspricht. Krank ist dann eben alles andere.
Für mich gilt das Motto Leben und Leben lassen. So lange es nicht zu Lasten des Hundes geht, darf gerne jeder nach seiner Facon glücklich werden. Und das gleiche Recht nehme ich auch für mich in Anspruch.
Damit das Thema jetzt nicht in der Theorie verhungert, noch ein wenig Live vom letzten Turnierwochenende in der DWA.
Ich bin sehr froh, dass es diese wirklich perfekt organisierten Turniere gibt. War aber bei Steffi und Co. schon immer so. Die einzigen, die sich getraut haben, Minuten bei den Zeitplänen anzugeben. (Passend zum Thema "ambitioniert".)
Von den Abläufen können die Großkopferten der Politik noch was Lernen. Auch ohne Andi Rinnert als Türsteher war alles klar geregelt. Und mal als Einser-Starter so reinmogeln bei den Dreiern war eben nicht.
Wir waren wieder mit dem Agi-Mobil da. Für mich ist absolut nicht nachvollziehbar, warum der Verband das so kritisch sieht. Es entzerrt die Anwesenheiten in der Halle und den sanitären Anlagen. Eigentlich doch eher vorbildlich.
Mit Myway macht Agility mittlerweile richtig Spaß. Er ist ganz schön flink geworden und arbeitet mit mir. Wenn ich mir die Videos so anschaue, sind wir auf einem super Weg - aber da geht noch mehr. Viele Führvarianten haben wir nicht trainiert, wir sind noch nicht hundertprozent eingespielt und meine Ansagen kommen oft viel zu spät. Bei diesen Betrachtungen geht es auch wieder nicht um den Ehrgeiz, öfter auf dem Treppchen zu stehen oder dort eine Stufe höher. Sondern mit dem Bewusstsein in einem anspruchsvollen Parcours anzutreten, dass wir das können. Und dann auch wirklich durchzukommen ...
Hope, meine wunderbare Prinzessin, sie ist einfach mein Verlasshund. Wir sind nun schon so lange ein Team, dass sie mich liest wie ein Buch, meine Gedanken errät, auch wenn ich das Gegenteil zeige. Agility mit Hope ist pures flüssiges Glück in meinen Adern. Aber auch hier geht noch was. Viel zu oft konzentriere ich mich zu sehr auf mich und gebe ihr die wichtigen Informationen über den weiteren Laufweg viel zu spät. Ist das nun Ehrgeiz, wenn ich das besser machen will? (Ironie off).
Last but not least der Lasse. Seinen dritten Nuller ist er gelaufen und muss nun in die A1. Es ist mühsam mit ihm. So wie es dass mit Myway war. Und irgendwann ganz am Anfang mit Hope. Aber es fühlt sich so an, als ob ich das mit der Geduld doch irgendwie verstanden hätte. Irgendwann läuft es nicht nur - dann flitzt es. Hoffentlich gibt es dann kein Foto von meinem dummen Gesichtsausdruck ...
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