Auf der Suche nach einem Wunder sind vermutlich viele, wenn ein Agility-Seminar gebucht wird. Was im Training daheim oder im Verein einfach nicht klappen will, soll nun der mehr oder weniger hoch bezahlte Profi richten.
Aus eigener Erfahrung muss ich leider sagen, dass Seminare eine Menge bieten - das mit den Wundern ist eher selten.
Natürlich bringt ein fremden Trainer einfach mal neuen Input - weil er anders hinsieht oder einen nicht so gut kennt. Vielleicht strengt man sich auch doch mal ein bisschen mehr an, nimmt das, was der Vereinstrainer schon anders verpackt gesagt hat, doch mal an - oder denkt zumindest mal drüber nach.
Seit ich mit Hope im Agility-Zirkus mitturne, haben wir so einige Seminare bei mehr oder weniger renommierten Trainern mitgemacht. Mein erstes richtiges Seminar bei bekannten und gut bezahlten Trainern war ein Griff ins Klo. Hope und ich waren noch in den Agility-Anfängen und die Trainer konnten sich auf uns nicht einstellen. Wie ich heute weiß, nicht mein Problem.
Aber, es macht deutlich, wie wichtig es es ist, das passende Seminar zu finden. Sonst hat man im günstigsten Fall zwei unterhaltsame Tage - und alles genau so schnell wieder vergessen ...
Deswegen buche ich mittlerweile am liebsten Einzelseminar oder kurz und knackig 1-2 Stunden mit wenig Teilnehmern.
Und das dann lieber öfter bzw. regelmäßig. Weil der Trainer dann die Entwicklung des Teams am besten mitverfolgen und mit neuen Impulsen begleiten kann.
Aber auch wenn ich gerade das Gegenteil geschrieben habe - auch bei Agility-Seminaren gibt es "Wunder". Manchmal hat man eben das Glück (oder das richtige Händchen bei der Seminar-Auswahl) und geht als Team verändert aus dem Seminar heraus.
An dem Glück, das ich mit dem Kleinstteilchen am vergangenen Wochenende hatte, möchte die ich die geneigten Leser gerne teilhaben lassen.
Dass Lasse aus sehr schlechter Haltung stammt, habe ich hier ja schon ausführlich erläutert. Anderseits habe ich ihn mittlerweile auch schon emotional und physisch recht satt "gepampert". Letztendlich ist Agility ja auch eine Art "gemeinsame Jagd" - und ein satter Hund ist ein wenig motivierter Jäger.
Beim Seminar vor ein paar Wochen mit Jeremias hat sich das ja schon deutlich gezeigt. Lasse findet die Hallenumgebung sehr interessant - die Motivation mit mir zu arbeiten bleibt da völlig auf der Strecke. Spielen, zergeln, ist da natürlich ein probates Mittel. Blöderweise findet Lasse das gemeinsame Spielen Zuhause super toll - an fremden Plätzen geht da gar nichts.
Eigentlich hatte ich Lasse vom Seminar bei Silke und Melli schon wieder abgemeldet und wollte mit Myway teilnehmen. Doch als ich der Gruppe vorher zugesehen habe, fand ich das Konzept so toll, dass ich doch Lasse aus der Box geholt habe. Beim ersten Seminarteil bei Silke haben wir uns führtechnisch voll auf Franzosen verständigt. Der Kleine lief echt wie am Schnürchen und ist mehr über seinen Schatten als über Hürden gesprungen. Es hat so unglaublich viel Bindung auf Agi-Niveau vermittelt und gefestigt.
Nach der Mittagspause war ich mir eigentlich sicher, dass da nichts mehr geht. Lasse war platt. Aber ich hab ich lange mit Melli unterhalten - über Motivation und ihre Hunde und meine Hunde - und als wir dran waren, hab ich doch Lasse aus der Box geholt. Wie erwartet, fand er die Halle und den Kunstrasen megaspannend. Mich weniger bis gar nicht. Dann forderte Melli die anderen Teilnehmer auf, Leckerlis aus ihrem Fundus in meinen Futterbeutel zu stecken. Wir standen dann da echt zusammen, guckten in diesen Futterbeutel und waren total BEGEISTERT. (Ja doof vorkommen darf man sich bei sowas nicht ...) Oh. Der kleine Leckerli-Experte wurde dann doch aufmerksam - aber es gab natürlich nichts ohne erfolgreiche Jagd.
Ich kürze ab: Lasse drehte von Durchgang zu Durchgang (immer nur Tunnel, Sprung - oder Sprung, Tunnel) mehr auf. Die Halle war plötzlich total uninteressant. Er konnte auf einmal gar nicht mehr abwarten, dass er endlich loslegen darf. Und streckte sich beim Rennen, wie ich es sonst nur beim Freilauf im Gelände kenne.
Als Myway dann auch mal eine kleine Runde laufen durfte (der plötzlich auch ganz schön aufgedreht hat), ist Lasse in der Box fast durchgedreht. Entgegen der ursprünglichen Entscheidung, dass er fertig ist für den Tag, durfte er noch ein letztes Mal "jagen". Sehr motiviert und erfolgreich.
Heute beim Training auf der Terrasse wurde mir natürlich sofort klar, wie wenig ich meine Hunde bisher motiviert habe. Auf der Terrasse schien das ja auch nicht das Thema. Dachte ich. Aber heute habe ich ein Leckerli aus der Box genommen, wie einen kostbaren Schatz in meiner Hand gehalten, die Shelties angeguckt und gefragt: "Oh, wer möchte dieses megageile Leckerli denn haben ..." Okay, die Zonen waren eher weg, aber die Shelties waren motiviert wie nie.
Und das ist eben manchmal das "Wunder" bei Seminaren. Eigentlich "wundert" man sich, dass einem dass nicht von selber klar war, eingefallen ist, dass man das nicht so umgesetzt hat.
Aber wundern bringt so wenig wie ärgern. Besser machen, jetzt!
Danke an Silke und Melli. Bin sehr froh, dass ich zum richtigen Moment auf Facebook war und das Seminar gefunden habe. Freu mich auf die nächsten Male.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen