Montag, 20. Juli 2020

Wunder gibt es immer wieder ... sogar im Agility

Auf der Suche nach einem Wunder sind vermutlich viele, wenn ein Agility-Seminar gebucht wird. Was im Training daheim oder im Verein einfach nicht klappen will, soll nun der mehr oder weniger hoch bezahlte Profi richten. 

Aus eigener Erfahrung muss ich leider sagen, dass Seminare eine Menge bieten - das mit den Wundern ist eher selten. 

Natürlich bringt ein fremden Trainer einfach mal neuen Input - weil er anders hinsieht oder einen nicht so gut kennt. Vielleicht strengt man sich auch doch mal ein bisschen mehr an, nimmt das, was der Vereinstrainer schon anders verpackt gesagt hat, doch mal an - oder denkt zumindest mal drüber nach.

Seit ich mit Hope im Agility-Zirkus mitturne, haben wir so einige Seminare bei mehr oder weniger renommierten Trainern mitgemacht. Mein erstes richtiges Seminar bei bekannten und gut bezahlten Trainern war ein Griff ins Klo. Hope und ich waren noch in den Agility-Anfängen und die Trainer konnten sich auf uns nicht einstellen. Wie ich heute weiß, nicht mein Problem.

Aber, es macht deutlich, wie wichtig es es ist, das passende Seminar zu finden. Sonst hat man im günstigsten Fall zwei unterhaltsame Tage - und alles genau so schnell wieder vergessen ...

Deswegen buche ich mittlerweile am liebsten Einzelseminar oder kurz und knackig 1-2 Stunden mit wenig Teilnehmern. 

Und das dann lieber öfter bzw. regelmäßig. Weil der Trainer dann die Entwicklung des Teams am besten mitverfolgen und mit neuen Impulsen begleiten kann. 

Aber auch wenn ich gerade das Gegenteil geschrieben habe - auch bei Agility-Seminaren gibt es "Wunder". Manchmal hat man eben das Glück (oder das richtige Händchen bei der Seminar-Auswahl) und geht als Team verändert aus dem Seminar heraus. 

An dem Glück, das ich mit dem Kleinstteilchen am vergangenen Wochenende hatte, möchte die ich die geneigten Leser gerne teilhaben lassen. 

Dass Lasse aus sehr schlechter Haltung stammt, habe ich hier ja schon ausführlich erläutert. Anderseits habe ich ihn mittlerweile auch schon emotional und physisch recht satt "gepampert". Letztendlich ist Agility ja auch eine Art "gemeinsame Jagd" - und ein satter Hund ist ein wenig motivierter Jäger. 

Beim Seminar vor ein paar Wochen mit Jeremias hat sich das ja schon deutlich gezeigt. Lasse findet die Hallenumgebung sehr interessant - die Motivation mit mir zu arbeiten bleibt da völlig auf der Strecke. Spielen, zergeln, ist da natürlich ein probates Mittel. Blöderweise findet Lasse das gemeinsame Spielen Zuhause super toll - an fremden Plätzen geht da gar nichts. 

Eigentlich hatte ich Lasse vom Seminar bei Silke und Melli schon wieder abgemeldet und wollte mit Myway teilnehmen. Doch als ich der Gruppe vorher zugesehen habe, fand ich das  Konzept so toll, dass ich doch Lasse aus der Box geholt habe. Beim ersten Seminarteil bei Silke haben wir uns führtechnisch voll auf Franzosen verständigt. Der Kleine lief echt wie am Schnürchen und ist mehr über seinen Schatten als über Hürden gesprungen. Es hat so unglaublich viel Bindung auf Agi-Niveau vermittelt und gefestigt. 

Nach der Mittagspause war ich mir eigentlich sicher, dass da nichts mehr geht. Lasse war platt. Aber ich hab ich lange mit Melli unterhalten - über Motivation und ihre Hunde und meine Hunde - und als wir dran waren, hab ich doch Lasse aus der Box geholt. Wie erwartet, fand er die Halle und den Kunstrasen megaspannend. Mich weniger bis gar nicht. Dann forderte Melli die anderen Teilnehmer auf, Leckerlis aus ihrem Fundus in meinen Futterbeutel zu stecken. Wir standen dann da echt zusammen, guckten in diesen Futterbeutel und waren total BEGEISTERT. (Ja doof vorkommen darf man sich bei sowas nicht ...) Oh. Der kleine Leckerli-Experte wurde dann doch aufmerksam - aber es gab natürlich nichts ohne erfolgreiche Jagd.

Ich kürze ab: Lasse drehte von Durchgang zu Durchgang (immer nur Tunnel, Sprung - oder Sprung, Tunnel) mehr auf. Die Halle war plötzlich total uninteressant. Er konnte auf einmal gar nicht mehr abwarten, dass er endlich loslegen darf. Und streckte sich beim Rennen, wie ich es sonst nur beim Freilauf im Gelände kenne.

Als Myway dann auch mal eine kleine Runde laufen durfte (der plötzlich auch ganz schön aufgedreht hat), ist Lasse in der Box fast durchgedreht. Entgegen der ursprünglichen Entscheidung, dass er fertig ist für den Tag, durfte er noch ein letztes Mal "jagen". Sehr motiviert und erfolgreich. 

Heute beim Training auf der Terrasse wurde mir natürlich sofort klar, wie wenig ich meine Hunde bisher motiviert habe. Auf der Terrasse schien das ja auch nicht das Thema. Dachte ich. Aber heute habe ich ein Leckerli aus der Box genommen, wie einen kostbaren Schatz in meiner Hand gehalten, die Shelties angeguckt und gefragt: "Oh, wer möchte dieses megageile Leckerli denn haben ..." Okay, die Zonen waren eher weg, aber die Shelties waren motiviert wie nie.

Und das ist eben manchmal das "Wunder" bei Seminaren. Eigentlich "wundert" man sich, dass einem dass nicht von selber klar war, eingefallen ist, dass man das nicht so umgesetzt hat. 

Aber wundern bringt so wenig wie ärgern. Besser machen, jetzt!

Danke an Silke und Melli. Bin sehr froh, dass ich zum richtigen Moment auf Facebook war und das Seminar gefunden habe. Freu mich auf die nächsten Male. 

Donnerstag, 11. Juni 2020

Nichts für schwache Nerven - unser Training in der Hundesporthalle Riedstadt


Noch bevor Agility-Training in den Hundesportvereinen wieder erlaubt wurde, durften die Hallen wieder zur Vermietung freigegeben werden.


Kurzentschlossen mietete ich nur für mich und meine Drei die Halle in Riedstadt. Nach dem Steh-Agility auf der Terrasse endlich mal wieder Parcours laufen - die Betonung liegt auf Laufen und vor allem Frauchen kam konditionell schnell an ihre Grenzen. 

Aber natürlich machte es riesigen Spaß. Vor allem Hope, die den Terrassen-Hopsereien nicht wirklich was abgewinnen konnte, war ein klein wenig übermotiviert und hätte am liebsten alle Hindernisse gleichzeitig genommen ...

Auch Myway fand es so richtig klasse, mit Frauchen um die Wette zu rennen - seine Idee dabei: wer schneller ist, darf den Weg bestimmen ...

Lasse fand es einfach nur spooky und hatte furchtbar Angst, etwas falsch zu machen. Steg? Kenn ich nicht, will ich nicht. Slalom? 12 Stangen, was soll es bedeuten ...? Wippe? Was ist das denn? Rennen? Ja, aber nur zum Ausgang.

Es kostete mich megaviel von dem, wovon ich eh nicht so viel habe. GEDULD. Aber wir hatten ja Zeit. Und so wurde es ein wöchentlicher Ausflug nach Riedstadt. Im gleichen Aufwasch konnten wir im Naturschutzgebiet in Stockstadt noch schön spazieren gehen - und beim vierten Ausflug war dann auch Herrchen als Kameramann an Bord.

Konditionell war ich definitiv nicht in der Lage, eine Stunde Parcours zu rennen. Und so bekamen die Einzelsequenzen besondere Aufmerksamkeit. 
Schwerpunkt lag immer auf Zonen, auf dem "weg" - sowohl bei Hindernissen als auch am Slalom, auf "come" - den Sprung von innen slicen und "turn" - über die Hand um den Ausleger kringeln lassen. 

Hier ein paar Impressionen vom gestrigen Training - wir freuen uns schon auf nächste Woche.

                                              



Montag, 8. Juni 2020

Unsere Agility-Terrasse kommt auch bei FFH groß raus ...

In Zeiten von Corona und Homeoffice sind es offensichtlich nicht nur wir, die sich intensiver mit Terrasse, Balkon und Freizeit beschäftigen. Anders als bei einem unterirdischen Bierkühler am Grill, einem Bierbrunnen oder einem Baumhaus kommt bei uns die eigentliche Projektarbeit allerdings erst hinterher. Die Geräte haben ja Turnierstandard (bis auf die Hürden natürlich) und auch den Rasen habe ich nicht liebevoll selbstgeklöppelt ... Trotzdem hab ich mal frech mein Projekt bei FFH vorgestellt und wurde prompt ausgewählt. Kleines Interview und kurzer Bericht auf den FFH-Seite. 






Längere Berichte gibt es natürlich immer auf dieser Seite bei schwarz-weiß-blond. Unser aktuelles Thema ist Zonenarbeit am Steg. Steg haben wir zwar nicht, aber wenigstens ein Brett und ein Target. 

Myway habe ich ja ursprünglich two-on-two-off aufgebaut. Nachdem seine ersten Starts eh in Zeitlupe stattfanden, habe ich auf durchlaufen umgestellt. Hauptsache, es bewegt sich ...

Mit zunehmender Sicherheit und Tempo wurde die Zone dann zum Glückspiel. Wenn der Bewegungsablauf nicht sitzt, ist es für den Hund ja auch viel lustiger,  so um den Zonenpunkt abzuspringen. Mal klappt es, mal eben nicht. 

Lasse macht 2/2. Ziemlich schnell sogar. Allerdings hat unser Terrassentraining den Nachteil, dass wir nur Wippe als Zonengerät trainieren können - und da steht er auf der Zone. Den Unterschied Wippe/Steg versuche ich jetzt nachzutrainieren. Plan ist, ein Zonenkommando vs. ein GoGo zu etablieren. Und weil's so schön ist, gleich rechts und links nach dem Steg. 

Klappt eigentlich gar nicht so schlecht. Für Lasse lege ich Leckerlis in unterschiedlichen Abständen zum Zonenabgang, damit er selber herausfinden kann, wie weit er sich strecken kann, ohne die Zone zu verlassen. Das eigentliche Trainingsziel ist natürlich, die Position zu bestätigen. Verlassen der Zone heißt natürlich, das ganze von vorne, Selbstkorrektur gibt keine Punkte. (ja, die Hoffnung stirbt zuletzt ...).

Wirklich beeindruckend finde ich den konzentrierten Arbeitseifer von Lasse auf seiner Terrasse. In der Halle in Riedstadt oder bei Ulla ist es so abgelenkt und nicht halb so frech und selbstbewusst. Aber eines der Dinge, die mich Myway gelehrt hat, sind ja Geduld und Vertrauen. Irgendwann rennt das Kleinstteilchen durch den Parcours und rockt das Agility ...

Montag, 1. Juni 2020

Agility Lockdown

Ende März 2020 war es mit unserem gewohnten Leben vorbei. Es gab nicht nur keine Hefe und kein Toilettenpapier mehr, sondern auch keine Turniere, kein Training, kein gar nix ... Auch kein Büro, nur noch Homeoffice, bis auf einen Tag der Woche, das war das einzig Gute an der Sache.

Zum Glück hatte meine Terrasse ja genug Platz für einen Turnierslalom in voller Länge. Und das ganze viele Geld, das ich durch den Lockdown an Start- und Campinggebühren sowie Essen beim Spanier sparte, investierte ich in einen adäquaten Rasenteppich für die Terrasse sowie eine Wippe. Umpf, könnte Spuren von Ironie enthalten. 2 Sprünge komplettierten den Lockdown-Parcours - und das das Wetter recht nett war, gab es jetzt jeden Tag Agility. 

Eine gewisse Priorität räumte ich der Wippe ein. Unvergessen die 20 Minuten, die Ulla und ich beim Basic Seminar brauchten, um Klein-Lasse dazu zu bringen, zumindest eine kleine Pfote auf dieses Höllengerät zu setzen.

Auf seiner vertrauten Terrasse war Lasse da viel selbstbewusster und entspannter. Und wie viele Facebook-User sich mit ihren diversen Spielen in der Krise beschäftigten, starteten die Shelties ihre ganz persönliche Wippen-Challenge - plötzlich war die Wippe vom "Wir suchen mal den Kipppunkt" zum "Juchhu, da ist die Wippe" geworden.  Da wir ja unendlich viel Zeit hatten und jeden Tag ein wenig trainieren konnten, steigerten sich die Herausforderungen nur sehr langsam - eine Trainingspolitik der kleinen Schritte, die sich - wie am Ende dieses Posts zeigen wird - auszahlte. 









Slalomeingänge selbstständig finden, Geräteunterscheidung, diverse Führtechnikvarianten, sinnvolle und -lose Spielereien - der Spaß an der Sache stand und steht immer im Vordergrund. Auch Flychen, unser Senior, forderte randalierend Aufmerksamkeit und Belohnungen. 




Für die Ausbildung der Hunde war der Lockdown vermutlich richtig gut. Auch für Frauchen, die in den letzten Jahren ja fast schon getrieben von Turnier zu Turnier hetzte, war dieser unfreiwillige Break vielleicht gar nicht so schlecht. Auf Agility möchte ich sicher nicht verzichten. Aber auch auf Turniere nicht, weil Turniere für mich immer mehr waren als nur sportlicher Wettkampf. 


Samstag, 18. April 2020

Berichte aus der Arche ...

Irgendwie haben wir es gerade noch rechtzeitig auf den Berg geschafft. Splendid Isolation sozusagen. Nie war ich so froh, nicht mehr in Münster zu sein. Hier auf dem Berg treffen wir auf unseren Runden so gut wie nie eine Menschenseele. Unsere Terrasse ist mittlerweile ein kleine Agility-Trainings-Einheit, wo wir zumindest Wippe, Slalom und 2 Sprünge üben können. Ich bin routinierter "Vor-dem-Laden-Ansteher", Maskenträger und sogar im Straßenverkehr für meine Verhältnisse tiefenentspannt.

Das Leben hat sich so unfassbar und unvorstellbar grundlegend geändert. Seit Wochen bin ich im Homeoffice und nur einen Tag im Büro. Der Unterricht an der Hochschule wird präsenzfrei stattfinden. Die Straßen sind so leer, dass es manchmal direkt apokalyptisch wirkt. Wie Artefakte einer Zeit, an die man sich kaum noch erinnert.

Hier in Deutschland geht es uns so gut, dass schon die Jammerei losgeht, weil es keinen planbaren Sommerurlaub 2020 geben wird. Mir ist natürlich klar, dass nicht jeder so perfekt in der Krise leben kann wie ich - aber ich kann nicht verstehen, dass die Menschen es nicht schaffen, über den deutschen Tellerrand nach Italien, Spanien, in die USA zu schauen. Wir haben bis jetzt Glück gehabt, setzen wir es nicht auf Spiel in dem wir fahrlässig Vergnügen vor Vernunft setzen!

Unerträglich ist für mich der Corona-Hype der Medien - nicht nur der sozialen - der viele erst in die sogenannte Corona-Rebellion hineintreibt und die gute alte Blockwart-Tradition wieder zum Leben erweckt. Seriöse Berichterstattung wird zugunsten von Panikmache und "wir-halten-zusammen"-Aktionismus vernachlässigt. Es ist für den Einzelnen dadurch fast unmöglich geworden, unsere Situation realistisch einzuschätzen, Perspektiven, Bedrohungen, mögliche Szenarien emotionsfrei abzuwägen. Sicher ist das "wir-halten-in-der-Krise-zusammen"-Feeling für viele hilfreich. Aber viele Entscheidungen, in die die Träger derselben durch die Panikmache hineingetrieben werden, sind sinnfrei, überflüssig und kontraproduktiv. Als Beispiel nehme ich mal unser Agility-Training. Selten, dass da mehr als 10 Menschen auf dem Platz sind. Abstand allein schon durch die spezifischen Gegebenheiten des Agility gewährleistet. Im Gegensatz zu Fußball beispielsweise. Mir würde ein Training mehr geben als ein Besuch im Gottesdienst. Aber ein wenig Gleichmacherei und gemeinsames Leid muss es in einer Krise wohl geben ...

Andererseits wird nicht oder von zu wenigen offen ausgesprochen, dass das Virus nun zu unserem Leben gehören wird. Mag sein, dass es einen Impfstoff geben wird (vermutlich von überforderten Eltern oder frustrierten Agility-Sportlern erfunden ... haha) - ob das langfristig gegen ein mutationsfreudiges Virus Schutz bietet, sei dahingestellt.

Ich glaube, es wird keine Rückkehr geben in die Normalität vor Corona. Nicht alles dabei ist zu bedauern. Wir müssen nun alle am Aufbau einer neuen Normalität arbeiten. Gemeinsam, offen, ohne Vorurteile, ohne Panik und ohne falsche Hoffnungen. Das Abenteuer Leben ist und war ein Risiko, das immer mit dem Tod endet. 

Ich wage keine Prognose, denn ich glaube nicht an einen verlässlichen gesicherten Zeitpunkt, an dem diese oder jene Einschränkung zurückgenommen werden könnte.

Gerne würde ich an die Eigenverantwortung und Vernunft meiner Mitmenschen glauben. Aber auch das ist ein Wagnis, dass ich wohl eingehen werden muss ...


Der Titel "Berichte aus der Arche" stammt von einem Buch, bei dem mein Vater Herausgeber und Autor war. Damals ging es um zoologische Gärten ... ich fand ihn vor dem Hintergrund des möglichen Endes der Menschheitsgeschichte ganz passend und weniger offensichtlich reißerisch als so manch andere meiner Ideen ... 

Heute war es irgendwo nicht der Tag für heile Terrassen-Agi-Posts. Kommen dann die Tage ... 


Dienstag, 11. Februar 2020

Hello 2020 - forget 2019

Nun sind wir schon fast mitten drin in 2020 - und es lässt sich recht gut an (poch poch). 

Unsere neue Wohnung ist einfach nur ein Traum. Kaum zu glauben, dass ich bei der ersten Besichtigung hinterher fast geweint habe, dass ich in so ein Loch ziehen soll ... 
Mein lieber Ehemann hatte das Potential der Wohnung wohl vor mir erkannt. Aber es war auch gruselig viel Arbeit. Am nervigsten und unbefriedigensten war das Entrümpeln der alten Wohnung ... ich beschränke mich auf "Jäger und Sammler". Wobei eher wenig gejagt wurde ...

Rund 3 Monate waren mit Packen, Aussortieren, "kann das weg - das ist doch die Gorch Fock" ziemlich ausgefüllt. Ich war der Meinung, sehr früh mit allem begonnen zu haben - doch je näher wir der Zielgerade kamen, desto größer wurde der Berg des noch Unerledigten.

Nachdem der Mietvertrag dann endlich in trockenen Tüchern war, kämpften wir an 2 Fronten. In Ober-Klingen musste Laminat gelegt und gestrichen werden. Und in der alten Wohnung wurden die Müllberge auch nicht weniger.

Doch je weiter wir an der neuen Wohnung werkelten, desto mehr freute ich mich auf unser neues Zuhause. Hell, warm und lichtdurchflutet war es nun. Und wir zählten die Tage, bis wir unser altes Leben endlich hinter uns lassen konnten.

Wie vermutet, machte Peter die letzte Fuhre der restlichen Dinge, die noch nicht umgezogen waren, am 31. Dezember. Raclette fiel dann aus, weil wir kein Öl hatten. Und bei der Nachricht vom Unfall meiner Nichte wäre uns sowieso der Appetit vergangen ... Nicht nur deswegen war es ein unvergesslicher Abend. Gespräche statt Fernsehen. Kein Krieg um Gondor auf der Straße. Und am Neujahrsmorgen eine wunderschöne entspannte Hunderunde. 

Peter gewöhnte sich schnell daran, dass es unvorhersehbar ist, wie lange meine "kleine" Morgenrunde dauert. Für mich war und ist das hier wie Urlaub. Und es macht so viel Spaß, hier die kleine Runde ein kleines bisschen auszuweiten ...

Fly ist mittlerweile ein ganz fitter durchtrainierter Senior, der es sogar bis ganz hoch um Otzberg geschafft hat. Ja, wenn ich meine Füße auf den Weg vor unserer Haustür setze, kann dieser überall hinführen. Auf den Otzberg, nach Bruchtal oder sogar nach Mordor ... 

Außer Hunderunden verbringe ich die meiste Zeit mit Streichen. Wände, Möbel ... nix ist gerade vor mir sicher. Und ich entdecke meine Kreativität wieder, die irgendwann und irgendwo verschüttet worden ist.

Aber auch Agility und Turniere haben wieder ihren Platz in unserem Leben gefunden. Mittlerweile waren wir schon 3 mal in Östringen und genießen es auch, dass es im Hänger mal nix zu tun gibt. Mit Hope zu laufen, ist einfach immer noch mega. Wir verstehen uns so blind und dieser Wahnsinnsflow ist einfach nur fanstastisch. Myway hat die Zwangspause wohl gut getan, so langsam macht es richtig Spaß.

Lasse hat jetzt endlich seine OP hinter sich und nachdem der ganze Sperrmüll von der Terrasse weg ist, können wir bei besserem Wetter das Homeagility-Training aufnehmen.

Und für die nächsten Turniere lassen wir uns ganz viel Zeit ... 

Gibt da ein Lied: so soll es sein, so kann es bleiben. Ich bin ja nicht so der Fan von Deutsch-Pop - aber den Titel unterschreibe ich.









Donnerstag, 31. Oktober 2019

Seeadler, Kraniche und Lasses erste Pokale - Urlaub in Brandenburg 2019

Turnier und Urlaub zu verbinden hat ja mittlerweile Tradition bei Schwarz-Weiß-Blond.

Im September mussten wir wegen meiner kaputten Schulter unseren Ostsee-Urlaub absagen und waren dann nur ein paar Tage in Bad Lausick, damit sich die Fahrt zur Deutschen Meisterschaft wenigstens in dieser Hinsicht lohnt. Immerhin habe ich endlich mal die Eschefelder Teiche gesehen, von denen mein Vater seit meiner Kindheit erzählt (unvergessen die Geschichte, wie er mit seinen Kumpels in Teichhaus auf dem Dachboden übernachtet hat, die Ferngläser hingen an einem Geweih - und plötzlich kam der Ruf "Brachvögel, Brachvögel" - und die ganze Gesellschaft griff nach den Gläsern und rannte nur im Hemde hinaus ...). Auf den Spuren der Vergangenheit besuchten Peter und ich dann auch noch Grimma, wo mein Großvater stationiert gewesen war und mein Vater gezeugt wurde. Wirklich sehr nettes Städtchen - und auch der Campingplatz Landidyll ist eine echte Empfehlung fürs Campen mit Hund.

Nach Hyaluronspritzen und Krankengymnastik war ich dann Mitte Oktober soweit wieder hergestellt, dass wir nun endlich wirklich Urlaub machen konnten. Das Halloween-Turnier in Sperenberg (Am Mellensee) hatte ich schon vor Monaten für alle 3 Hunde gemeldet und gehofft, dass wir es tatsächlich auch dieses Jahr zu einem unserer Lieblingsturniere schaffen.

Vor dem Turnier hatte ich eine Woche auf dem Campingplatz in Heideblick gebucht. Ganz in der Nähe von Lübben, wo wir letztes Jahr waren, aber ein bisschen mehr JWD. 

Fast pünktlich um 5:15 verließ am 19. Oktober der weiße Koleos Münster. Fast 600 Kilometer lagen vor uns. Wir gönnten uns und den Hunden nur 2 kurze PPs und hatten nach siebeneinhalb Stunden und einer höchst abenteuerlichen Anfahrt durch die Pampa den Platz erreicht. Direkt am See und fast völlig allein hatten wir und die Hunde ideale Bedingungen. Unsere Vierbeiner konnten nach Herzenslust am See toben und Peter und ich genossen die fast unwirkliche Ruhe, die nur von Vogelrufen unterbrochen wurde. Kolkraben, Kraniche, Schwarzspecht und Grauammer waren fast unsere einzigen Gefährten.





Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück zu den Fischteichen nach Peitz. Hier waren wir 2006 mit meinen Eltern gewesen und auch 2018 hatten wir hier mehr oder weniger erfolglos Seeadler gesucht. Aber zumindest eine wirklich gute Kneipe hatten wir damals entdeckt und wussten, dass zumindest die Verpflegung gesichert war. Doch wie erhofft sollten die Teiche abgefischt werden und deshalb wurde das Wasser abgelassen. Fanden die Seeadler natürlich klasse - allerdings waren die Viecher offensichtlich zu vollgefressen, um uns mit größeren Flugmanövern zu begeistern. Meist saßen sie wie nasse Säcke auf den Sandbänken oder Bäumen ... aber das Bauernomelette war wieder einmal sensationell. 






Zurück am Wohnwagen baute ich den Steckslalom auf und bespaßte die Hunde mit ein wenig Agility.




Am nächsten Morgen ging es auf Kranichpirsch. Wir beginnen am Schlabendorfer See, im Naturschutzgebiet der Sielmann-Stiftung beim ehemaligen Dorf Wanninchen, das dem Bergbau zum Opfer fiel. Mehrfach überfliegen uns laut rufend kleinere Kranichketten, aber rastende Kraniche sind nirgends zu erblicken. Wir fahren weiter nach Freesdorf und biegen dort Richtung Goßmar ab. Auf halber Stecke liegt der Kranichturm. Den Weg nach oben spare ich mir dieses mal, von allen Seiten höre ich das Trompeten. Und als ich das Glas hebe, sehe ich überall Kraniche. Leider sind die meisten recht weit entfernt oder sitzen auf einer hohen Wiese, wo sie nur beim Starten und Landen zu erblicken sind. Wir improvisieren und zwischen Goßmar und Beesdau kommen wir endlich näher ran. Ein ständiges Kommen und Gehen, laut rufend nach Kranichart. Für gute Fotos reicht es nicht, aber mit dem Fernglas lassen sich die majestätischen Vögel gut erkennen und wir unterscheiden auch viele Jungtiere, die den trockenen Sommer gut überstanden haben.Unsere Mägen erinnern uns daran, dass die Mittagsstunde längst vorbei ist. Ich navigiere nach Hindenberg, wo wir letztes Jahr viele Kraniche auf einem frisch eingesäten Acker entdeckt und anschließend lecker im Kartoffelnest gegessen haben. Heuer nur 2 Kraniche und die Kneipe öffnet erst um 16 Uhr.In Lübbenau gäbe es zwar viele Lokalitäten, aber die Parkmöglichkeiten sind suboptimal für unsere Hunde. Also kaufen wir Hackepeter, Salate und Brötchen im Kaufland und fahren zurück, wo wir den Rest des Tages vor dem Wohnwagen chillen.







So langsam verlieren wir jegliches Zeitgefühl, treiben entspannt durch die Tage. Vormittags pirschen wir auf Vögel oder fahren nach Luckau und Lehde, nachmittags wird außer ein paar Slalomübungen nur gechillt. Für die Hunde ist es ein wahres Paradies, ungestört am See und auf der Wiese zu toben.

Freitag geht es dann weiter nach Mellensee, nur 56 Kilometer. Wir treffen alte Bekannte, lernen neue Nachbarn kennen und sitzen abends am traditionellen Lagerfeuer.

Samstag beginnt dann das Turnier. Es geht los mit der A0 und ich fühle mich schon sehr lebendig mit meinem laut klopfenden Herzen. Lasse und ich sind die ersten Starter des Tages. Leine ab. Sitz. Hinter das erste Hindernis. Focus und Go. Der Kleine läuft wie am Schnürchen. Hindernisse, Tunnel, Steg, Wand - alles kein Thema. Nach 21 Hindernissen sind wir fehlerfrei im Ziel. Und da wir die einzigen Starter sind, haben wir das Ding auch noch gewonnen. Ich bin so geflasht, dass ich nicht weiter traurig bin, das Hope und Myway dann patzen. Lasse gewinnt auch noch den Jumping und wir lassen den Tag entspannt und zufrieden am Lagerfeuer ausklingen.

Sonntag, es regnet. Die A3 beginnt und Myway läuft einen wirklich schönen Nuller. Platz 2. Hope toppt das dann noch mit Platz 1. Dann kommt Lasse. Sprung, Sprung, Wand, Sprung, Tunnel. Oops. Lasse bleibt am Tunneleingang stehen, guckt mich an. Frauchen, da ist es dreckig. Klar, hatte ja geregnet. Das Flauschbällchen geht dann zwar trotzdem in den Tunnel, es dauert aber eine Weile, bis er auf der anderen Seite wieder rauskommt und mich fassungslos anguckt. Ich kann ihn nur knapp motivieren, weiter zu laufen und wir gehen nach dem Steg dann direkt ins Ziel ...

Hope und Myway laufen auch im Jumping Nuller, allerdings knapp am Treppchen vorbei. Dafür hat Lasse beschlossen, dem Dreck im Tunnel zu trotzen. Oder jedenfalls fast. Bei 4 Tunneln kassieren wir 2 Verweigerungen - aber ich bin megastolz auf den Kleinen, dass er so tapfer arbeitet.

Allgemeine Abreise, kein Lagerfeuer. Wir genießen einen letzten entspannten Abend, am nächsten Morgen sind wir schon um kurz vor Acht auf der Piste. 

Die Turniersaison 2019 ist damit wohl dieses Jahr recht frühzeitig beendet, denn Schwarz-Weiß-Blond zieht um. Da unsere Wohnung wegen Eigenbedarf gekündigt wurde, mussten wir uns tatsächlich mal wirklich nach etwas neuem umsehen und nicht nur davon träumen. Morgen werden wir den Mietvertrag unterschreiben und dann geht es ans Renovieren und Packen. Mitte November wird Lasse operiert, die innenliegenden Hoden kommen dann endlich raus. Aber spätestes im Februar liegt all der Stress hoffentlich hinter uns und dann eröffnen wir die Turniersaison 2020!