Samstag, 8. Juni 2019

Regenbogen-Shooting ...

Nach dem kurzen Aufschwung ging es leider wieder bergab mit Fly. Der Kot war immer weniger geformt, wurde flüssig - trotz Schonkost, Karotten, Milchreisschleim.

Prophylaktisch gab ich Panacur, weil die Girardienschnelltests wohl nicht zuverlässig sind.

Als Fly vorgestern nicht mit mir spazieren gehen wollte bzw. nur so eher widerwillig mittrulchte, fuhr ich mal wieder zum Tierarzt. Tränenüberströmt, ich dachte wirklich, es wäre nun Zeit.

Doch der Tierarzt, der uns schon an der Tür erwartete, schüttelte nur den Kopf. Nein, es ist noch keine Zeit ihn gehen zu lassen. Wieder mal Spritzen und Barium, um den Magen auszupolstern. 

Seit gestern geht es wieder mal besser. Ich wage noch gar nicht, mich wirklich zu freuen. Und ich bin froh, dass ich unseren Pfingsturlaub gecancelt habe, Zuhause hab ich doch mehr Möglichkeiten - und vor allem den Tierarzt in der Nähe. 

Hier ein paar Fotos aus  unserem Regenbogen-Shooting - nein, er sieht wirklich noch nicht aus, als ob er gehen möchte ... 







Immer diese ätzenden Familienfotos ... :D

Montag, 27. Mai 2019

Dem Tod noch mal von der Schippe gehüpft ...

Als ich letztes Wochenende vom Turnier kam, erzählte mir mein Mann als erstes, dass Fly unendlich viel Gras frisst und kotzt. 

Okay, kommt vor. Doch Montag kam massiver Durchfall dazu. Also Dienstag morgen gleich zum Tierarzt. Kotprobe bezüglich Giraridien negativ. Spritzen. Ohne Ergebnis. Mittwoch Blutprobe, Leukos erhöht. Wieder Spritzen. Fly konnte nicht mehr laufen, blutiges braunes Wasser lief auf ihm heraus, wurde in Krämpfen herausgepresst. Donnerstag wieder die selben Spritzen mit dem selben Ergebnis. Meine Familie nannte mich Tierquäler, weil ich Fly nicht gehen liess. Aber Fly kämpfte. Er lief auch wieder Treppen (wenn ich ihn liess). Er klagte nicht, er war tapfer, machte den Eindruck, dass das alles gar nicht so viel Aufhebens bräuchte. 

Freitag wieder Spritzen. Und Kontrastmittel, um den Magen-Darm-Trakt zu polstern. Ohne sichtbares Ergebnis. Nur Fly vermittelte irgendwie ein für uns nicht nachvollziehbares Gefühl von " es wird". 

Samstag hatte ich fast keine Kraft mehr. Kam mir selber grausam vor, dachte schon, dass Fly sich nur für mich quält. Hab einen großen Topf Morosche Karottensuppe gekocht (bekam er schon die ganze Zeit, aber mehr so löffelweise), war in der Apotheke und hab Perenterol Junior gekauft. Nun gab es große Portionen Suppe, Perenterol und Enterozoo.

Auch nach der dritten Dosis quälte sich Fly ein paar Tropfen Blut raus - auch in der Wohnung konnte er den Stuhl nicht mehr kontrollieren.

Ich wusste, dass der Tierarzt Sonntag morgen Notdienst hatte - und ich hatte den Entschluss gefasst, dass ich Fly gehen lassen würde. Es war ein Tag der unendlichen Tränen, zu viel des Weins und kein Essen. Nachts kamen noch die Mädels, um sich von Fly zu verabschieden. 

Sonntag morgen - wieder hatte Fly seinen Kot nicht halten können. Aber da war ein Häufchen, keine Wurst, aber zumindest ansatzweise geformt. 

Ich bin nicht zum Tierarzt gefahren, hab meine Therapie fortgesetzt und als ich vom Geburtstag meines Bruders zurückkam, hatte der kleine Spanier endlich wieder festeren, wenn auch weichen Kot abgesetzt. 

Montag morgen dann die ersten Würste.

Ich weiß, definitiv kein appetitliches Thema. 

Aber hätte ich nicht auf meinen Bauch gehört, darauf, dass Fly sich nicht aufgegeben hat, sondern leben wollte - dann wäre Fly jetzt tot. 

Deswegen finde ich diese Geschichte auf-schreibenswert. 




Sonntag, 19. Mai 2019

Litte Lord Lasse ist jetzt Begleithund - Myway gewinnt die Kombi in Gernsheim und die Koboldprinzessin dreht voll auf ...

Mein Mann sagte mir noch am Vorabend der Prüfung, dass Dauerregen angesagt ist. Ich hätte ihn erwürgen können, auch wenn er nur der Überbringer der schlechten Nachricht war. Mitten in der Nacht wachte ich auf - und höre den Regen trommeln und pladdern. Jedes Mal wenn ich nach einem kurzen Nickerchen wieder wach wurde, war der Regen eher noch stärker geworden. Na super, Begleithundeprüfung im strömenden Regen ist ja schon übel genug - aber mit einem Zuckerwatte-Sheltie ... 
Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, hoffte ich bis zum Schluss, dass es in Zellhausen nicht regnen würde. Die Hoffnung starb nach einem Blick auf das Regenradar. Nicht besser wurde die Lage durch den beißenden Gestank von dem Brand einer Lagehalle im Aschaffenburger Hafen. 

Team 2 waren wir. Zum Glück war ich als erste dran. Leinenführigkeit war okay, in der Freifolge sprangen uns einige Blümchen in den Weg. Aber trotz Regen arbeitete Lasse tapfer, bekam in Abruf aus dem Platz sogar ein vorzüglich und legte sich dann klaglos in den strömenden Regen auf den Ablageplatz. Da ich keinen Hut aufsetzen wollte, um den Sheltie nicht zu irritieren, war ich fairerweise genauso nass wie Lasse. Aber wir hatten Teil 1 bestanden. Zufrieden drehte der Wettergott den Hahn zu. Nach dem dritten Team folgte übergangslos der Außenteil. Auch hier war Lasse megabrav und lies sich auch nicht bange machen, als Frauchen sich mal verstecken musste. Ganz dicht musste ich vor die Richterin, die mir dann die Hand schüttelte und zur bestandenen BH gratulierte. Ich hätte echt heulen können und ein paar Tränchen hab ich tatsächlich verdrückt.



Jetzt können Lassie und ich ganz entspannt im Agility-Training so richtig durchstarten.




















Da ich ja seit August mit 3 Hunden auf Turnier bin, habe ich mir auch ein größeres Zelt nebst passendem Stuhl zugelegt. Ein Kyham screendome, gebraucht aber top in Schuss. Der erste Einsatz war in Biblis, wo uns zu unserem Glück vor allem eine Heizung gefehlt hätte. Schweinekalt war es, auch wenn dem Läufer durch den - je nach Laufrichtung - abschüssigen oder ansteigenden Parcours zumindest vorübergehend warm wurde.







Meine Hunde waren auf jeden Fall in Streberlaune: Hope war einfach nur mega führig, belegt 2x den zweiten Platz im A-Lauf, einmal den dritten und im Jumping genau umgekehrt. Damit haben wir an 3 Wochenenden so viele Punkte für die Deutsche Meisterschaft gesammelt wie 2018 an wesentlich mehr Tagen - ob es reichen wird, wird sich zeigen.

Myway wollte wohl dem Lasse gleich mal zeigen, wo es langgeht: 2 x Platz 3 im A-Lauf, gestern in Ilvesheim Platz 2 und heute in Gernsheim den sagenhaften 1. Platz. Ohne Zeitfehler. Und auch in den Jumpings hat er zweimal den 3. Platz belegt und heute den 2. Platz - damit die Kombi gewonnen. 

Mehr noch als Preise und Platzierungen freut mich natürlich, dass er wirklich immer besser arbeitet und mit mir immer mehr zum Team zusammenwächst.


Das Körbchen habe ich von Myways Preisgeld gekauft

Toben am Neckar in Ilvesheim

Sorgen mache ich mir um unser viertes Rudelmitglied. Fly hat Magenprobleme, frisst viel Gras, kotzt und ist insgesamt sehr abgeschlagen. Ich hoffe mal, es liegt nur am Wetterumschwung ...

Freitag, 17. Mai 2019

Quo vadis Agility?

Als ich 2007/08 mit Agility anfing, gab es eigentlich nur ein Motto: Agility is Fun. Und die etwas Leistungsorientierteren wurden mit "Wer Scheiße führt, muss mit Scheiße zufrieden sein" (Hinky Nickels) auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt. A3 war damals wie heute das hehre Ziel - damals reichte es dafür auch schon, dass der Hunde alle Geräte sauber abarbeitete ... daran scheiterten Donna und ich an meiner Slalomphobie.

Nach unserer verletzungsbedingten Zwangspause wurde ich 2012 mit den Neuigkeiten "es gibt jetzt Außen" und "Belgier sind nicht mehr statisch, sondern man bewegt sich dabei" begrüßt - wer erinnert sich noch heute an Belgier auf der Stelle und alle Hürden nur von vorne anzuführen?

Dann gab zunehmend immer mehr Leistungsrassen wie Border, Belgier und Aussies - in Medium und Small kamen zu den Terriern Shelties und Papilotten.

Irgendwann kamen dann die Agility-Hallen, die ganzjährigen Trainings- und Turnierkomfort sicherten. Immer mehr Trainer, die semi- oder professionell die Erfolgswilligen auf immer neue Standards hoben. Internationale Richter forderten die Teams mit ganz neuen Parcoursrafinessen. Belgier und Franzosen waren old-fashioned, die modernen Führvarianten kamen aus Finnland und hatten wohlklingende englische Namen.

Für die Anhänger des "Agility-is-Fun" (von manchen etwas herablassend als "Hausfrauen-Agility" bezeichnet) gab es das Reservat der "Feld-Wald-und-Wiesen-Turniere". Ob im Sommer Outdoor oder im Herbst/Winter in der Reithalle - hier standen Parcours, auf die man im  ehrenamtlichen Vereinstraining vorbereitet wurde. 

Ich kenne genug Starter, die gar nicht erst in Mendig oder Östringen starten, weil sie sich diesen Parcours nicht gewachsen fühlen.

Nun gut, diese beiden Agi-Welten laufen ja schon eine Weile parallel - allerdings werden gerade in diesem Jahr auch in den sogenannten "Feld-Wald-und-Wiesen-Turnieren" immer mehr Parcours von den "jungen" Leistungsrichtern gestellt, die aus ihrer Geschichte heraus eher der Hallen-Leistungsklasse" zugehören.

Die Landesmeisterschaft des HSVRM verlangt 2019 erstmal Qualis, die an die der Deutschen Meisterschaft erinnern.

Ist das das Ende des "Breiten-Agility"? Welche quali-suchenden Starter melden nächstes Jahr noch Outdoor-Turniere? Gleicher Leistungsanspruch im Parcours bei ganz anderen Bodenbedingungen? Und was mit den Startern aus dem "Hausfrauen-Agility"? 

Ich bin schon gespannt, wo es mit "meinem" Agility hingehen wird ...

Samstag, 27. April 2019

Little Lord Lasse ...


Zugegeben, der kleine Lord Fauntleroy polarisiert. Meine Mutter findet ihn unerträglich altklug, für meine Mädels und mich gehört er zum weihnachtlichen Pflichtprogramm.

Wie ich allerdings auf die Verknüpfung von Cedrik zu Lasse kam - keine Ahnung. War irgendwann in dieser gedanklichen Schwerelosigkeit kurz vor dem Einschlafen oder Aufwachen. 

Und ohne diese spontane Idee jetzt auf den Prüfstand stellen zu wollen: ich finde, es hat was. Lassie ist schon wirklich ein ganz schön wenig altklug, dabei immer bemüht, möglichst alles richtig und bloß nichts falsch machen zu wollen.  

Aber egal wie man den kleinen Schatz filmisch einordnen möchte: bei uns hat seine Lordschaft auf jeden Fall seinen Platz gefunden. Und ergänzt das Rudel perfekt. So viel Harmonie und Sonnenschein hatte ich irgendwie noch nie. Und das betrifft natürlich nicht nur Lasse, sondern die gesamte Chaostruppe.

Im Moment ist ein ziemlicher Fokus auf der Begleithundeprüfung, die am 11. Mai stattfinden soll. Eigentlich weiß Li-La-Lassie worum es geht. Bombastische Ablage, ganz viel will-to-please bei der Fußarbeit. Aber wie sagte der Richter bei der letzten BH mit Myway: ich hätte es dem kleinen Sheltie unglaublich schwer gemacht und in meiner Nervosität völlig abartige Kehrwendungen gemacht, Winkel gelaufen wie ein Hase Haken schlägt ... also liegt das Problem nicht bei Lassie, sondern bei mir.

Außerdem haben wir das Wackelbrett für die Wippen-Vorbereitung ausgepackt und trainieren natürlich die Zonen. Letztes Wochenende hat Lassie sogar schon in der Halle in Östringen mit trainiert - da geht es aber mehr um Triebaufbau, Gerätefokus und natürlich vor allem um Spaß!






Samstag, 16. März 2019

Update 2019 - läuft!

Nach meinem letzten Post über den Herbsturlaub ging die Agility-Outdoor-Saison denn auch zu Ende und wir verbringen die Wochenenden im Agi-Mobil, das meist in Östringen parkt. Dort sind wir auch prickelnd in 2019 gestartet, das nun bald schon zu einem Drittel wieder rum ist.

Aber immerhin ist nun Frühling im Anflug.

Li-La-Lassie hat diese Woche seine Zahnsanierung überstanden. Seine Tierarzt-Phobie haben wir im Vorfeld mit Leberwurst-Trainingseinheiten auf dem OP-Tisch bekämpft. Ich bin ja schon echt dankbar, dass ich so ein engagiertes Tierarzt-Team zur Seite habe. Vor der Narkose hatte ich trotzdem ziemlich Panik - Bein rasieren, Nadel in die Vene ... und das bei dem kleinen Meckerling??? Aber auch Hund wächst mit seinen Aufgaben. Lasse war einfach nur megatapfer und hat erst gezappelt, als die Kanüle festgeklebt werden sollte. Und bäm, schon schlief er. Wer jemals dabei war, wenn ein Hund über die Regenbogenbrücke gegangen ist, weiß, wie nah Narkose und Tod beieinander liegen. Aber schon eine halbe Stunde später rief mich Caro vom Tierarzt an, es wäre alles überstanden, alle Zähne konnten erhalten bleiben und ich sollte doch besser da sein, wenn er aufwacht.

Aufwachen ist eigentlich nur unwesentlich besser als einschlafen. Lassie hing wie ein Schluck Wasser in der Kurve in meinem Arm und guckte wie ein Teenie nach dem ersten Alkoholexzess. Irgendwie aufzustehen war nicht so ganz seine Motivation. Nach einer Stunde durfte ich Lasse dann mit nach Hause nehmen. Die anderen Hunde waren schon etwas irritiert von seinem Zustand. Ich stellte sein Körbchen zu mir in die Küche und dort blieb er auch erst mal liegen. Bis es klingelte. Da stürmte er mit dem Rest des Rudels an die Tür. Adrenalin wirkt eben Wunder. Aber nachdem nichts weiter passierte und der Pegel wieder runter ging, taumelte er wie im Vollsuff zurück ins Körbchen. 




Als er dann noch erbracht, holte sich Frauchen mal schnell Rat bei Caro - aber alles noch im grünen Bereich. Und schneller als gedacht, war der kleine Meckerling wieder fit und verlangte nach Nahrung ... Jetzt noch die Hoden raus und die Wolfskrallen hinten und dann haben wir den TA-Kram hoffentlich ein für alle mal hinter uns.

Wir brauchen ja auch Zeit und Konzentration für Agilitytraining und die Vorbereitung auf die Begleithundeprüfung. Lassie liebt mittlerweile Tunnel, lernt die ersten Führtechniken und wir arbeiten an der Grundstellung und der Ablage. 

Ob es an der "Konkurrenz" durch Lassie liegt oder einfach am Alter - Shelties brauchen ja gerne mal was länger - aber Myway wird insgesamt immer sicherer und souveräner und das zeigt sich auch im Agility. 4,76 m/s hatten wir letztes Wochenende - und es hat megaviel Spaß gemacht. Mittlerweile ist Frauchen der alleinige Störfaktor, wenn es mal nicht läuft.




Das Hopsi ist und bleibt das Hopsi. Sie liebt es, mit mir im Agilityparcours zu arbeiten und ist mit den Jahren immer schneller und "bissiger" geworden. Mit Hope zu starten ist einfach das Allerbeste - wir kennen uns, vertrauen uns, sind ein Team. Ich mag mir gar nicht vorstellen, dass irgendwann mal der allerallerletzte Lauf sein wird. 


Fly ist gestern 14 Jahre alt geworden und es geht ihm soweit gut. Allerdings kommen wir ohne Cortison nicht lange aus, er trinkt sehr viel und muss sehr viel Pipi machen - das geht dann oft in die Wohnung.

So vergehen die Tage viel zu schnell. Manchmal denke ich, einfach die Zeit anzuhalten wäre das Beste. Aber dann gäbe es auch keine Entwicklung, keinen Fortschritt, ich würde mit Lasse nie die BH laufen, nie meinen ersten Start im Agility haben ... also bleibt wohl nur, jeden Moment zu genießen und damit kostbarer und unvergesslicher zu machen ...

Heute stürmischer Spaziergang ... 





Montag, 29. Oktober 2018

Unterwegs zuhause - Urlaub 2018 in Lausitz und Spreewald


Unser Treppenwitz in der Familiengeschichte ist ja Peters Kommentar auf den Vorschlag meines Vaters, sich für unseren gemeinsamen Spreewald-Urlaub ein Wohnmobil zu leihen: "Ich bin doch kein Zigeuner!" Das war 2006 und wir reisten damals noch mit nur einem Hund. 

Dann kamen Fly und Hope, es kam Agility, Turniere, Seminare - und als Peter und ich 2012 unseren Dacia kauften, sagte mein Mann bei Vertragsabschluss: "Da muss aber eine Anhängerkupplung dran, falls wir uns einen Wohnwagen kaufen."

Aha. Wegen der nicht allzu üppigen Möglichkeiten des Duster musste es natürlich ein kleiner Hänger sein. Aber so für ab und an ein Wochenende schien uns das doch völlig ausreichend. Im Mai 2013 entdeckten wir einen kleinen kuschligen Caravellair, der zwar gebraucht, aber top in Schuss und sehr gemütlich war. Nach den ersten Touren war völlig klar: Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen gibt es nicht mehr - mein Mann war quasi über Nacht zum Zigeuner geworden. Sogar in die Camargue sind wir mit unserem Hängerchen gereist - mit dem Vorzelt blieb das Bett im Wohnwagen immer bereit, gelebt wurde draußen.

Die nächste Anschaffung war dann ein stärkeres Zugfahrzeug - wenn es auch nur ein wenig bergig wurde, musste ich eigentlich schon schieben, damit wir bergauf nicht verhungert sind.

Also kam der Koleos als Zugfahrzeug - und somit hatten wir auch beim Hänger neue Optionen.

Die einzige Schwachstelle in unserem kleinen Agimobil: zum Schlafen musste die Sitzgruppe in das Bett umgebaut werden. Dazu mussten die Hunde und ich natürlich erst mal raus. Und bei Regen oder gar Schnee war das natürlich a) blöd und b) ungünstig, weil wir dann alle nasse Pfoten und Schuhe hatten. 

Mittlerweile waren wir alle begeisterte Zigeuner und viele viele Wochenenden und Kilometer on tour. Und im Winter 2014/15 fiel beim Turnier in Eppingen nach plötzlichen Schneefall und nassen Hunden im Bett der Entschluss: ein größerer Wohnwagen mit festen Betten muss her. Gedacht, getan. Im Januar 2015 tauschten wir unseren treuen Caravellair nicht ohne Wehmut in den größeren Hobby. Auch der gebraucht, aber völlig unverwohnt und einfach nur Luxus pur. 

Es sind schon etliche Wochenenden und Kilometer, die wir jedes Jahr on tour sind. Meist Turniere oder Seminare, verbunden mit ein paar Tagen Entspannung dazwischen.

Dies Jahr stand dann auch mal so richtig Urlaub auf dem Programm. Okay, 2 Turnierwochenenden hatte ich eingebaut, wobei ich die Bestätigung für das 2. Turnier erst in der ersten Urlaubswoche bekam. 

Aus- und Ankerpunkt der Planungen war das Turnier in Hoyerswerda am 13. und 14. Oktober. Mit Donna und Hope war ich 2014 schon einmal in Hoyerswerda gestartet und Peter zog den wilden Osten meiner Alternative Bretagne vor. 

Am 9. Oktober starteten wir zum ersten Etappenziel nach Schwarzbach. 531 Kilometer schafften wir in ca. 7 Stunden. Der Campingplatz liegt direkt am Waldrand, die Kiefern erinnerten uns an Colbitz, wo wir zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit mit den Kindern Urlaub gemacht hatten. Damals natürlich noch im Ferienhäuschen. Parzellierung gab nicht nicht, jeder stellt sich so, wie er mochte. Für die Hunde gab es sogar einen umzäunten Auslauf. Die gesamte Stimmung war herzlich und entspannt. Tagsüber entdeckten wir bei Ausflügen die Umgebung, ansonsten saßen wir entspannt vor dem Wohnwagen oder gingen mit den Hunden spazieren. Trotz bewusst gelebter Zeitlosigkeit verging diese viel zu schnell und schon mussten wir wieder packen und fuhren weiter nach Hoyerswerda. Bezahlt haben wir übrigens 25 Euro pro Nacht - all inclusive.








Hier zeigte sich, dass nicht nur wir uns campingmäßig vergrößert hatten. Viel mehr Wohnwagen und -mobile als 2014. Kein Lagerfeuer, aber Megastimmung auf dem Oktoberfest. Und diese besondere Herzlichkeit, die wir gerade im Osten so lieben.

Sportlich war es eher desaströs. Leistungsrichter Robert wollte allen zeigen, dass seine Parcoure definitiv nicht zum Quali-Sammeln taugen. Und obwohl wir ja eigentlich bei schwierigeren Parcouren Pokale gewinnen - bei Robert nicht. Wobei gerade unsere Problemzone "an die Hand kommen" streckenweise ziemlich gut geklappt hat. 

Montag früh ging es 50 Kilometer weiter nach Lübben. Auch ein als hundefreundlich ausgewiesener Campingplatz. Hier gab es Parzellen, aber großzügig. Zaun stellen kein Problem. 5-10 Minuten Fußweg zum "Hafen". Morgens kam der Bäcker, einmal der Fischmann. Die Kneipe hatte leider schon geschlossen, aber Bier gab es an der Rezeption. Ja, die Vorräte gingen so langsam zur Neige. 




Am Dienstag fuhren wir nach Lübbenau, wo wir 2006 mit Donna noch in einer Pension übernachtet hatten. Wieder einmal vermisste ich mein Bordermädel so schmerzlich ...

Unser erstes Ziel war die Wotschowska, die wir nach gut einer Stunde Fußmarsch erreichten. Die Landschaft dort ist einfach ein Traum. Dunkelgrüne Fließe, lichte Birkenwälder, angehaucht von den herbstlichen Farben. Immer noch herrliches Wetter, also konnten wir mit den Hunden im Biergarten sitzen und uns stärken. Zurück in Lübbenau wollte ich unbedingt noch den Hafen wiedersehen, dann stockten wir unsere Vorräte im Kaufland auf. Und den Rest des Tages saßen wir gechillt vorm Agimobil.









Irgendwie wurde es doch streckenweise eine Reise in die Vergangenheit, sprich: unseren ersten Spreewald-Urlaub mit meinen Eltern. Mittwoch fuhren wir nach Peitz, in der Hoffnung auf Seeadler und vielleicht auch Kraniche. 


Das Kraftwerk am Ausgangspunkt der Teich-Wanderwege wirkt auf Neulinge vielleicht etwas abschreckend, ist aber nach wenigen Metern fast nicht mehr zu sehen. Wir entdeckten ein beeindruckende Silberreiher-Kolonie mit weit über 100 Tieren. 

Viele Gänse, Zwergtaucher - doch der Blick zum Himmel blieb ergebnislos. Zwischen den beiden großen Teichen bogen wir links ein, um beide Wasserflächen im Blick zu haben. Trotz Schilf und Bäumen entdeckte ich endlich in der Ferne 2 Seeadler. Leider konnte ich mich nicht lange daran erfreuen. Aus den Augenwinkeln sah ich eine Bewegung und erstarrte. Ein leinenloser Staff kam auf uns und die Hunde zu. Ich warnte Peter, sammelte My und Lasse dicht hinter mir, holte mein Messer aus der Tasche und fragte mich, was ich damit anfangen sollte. Peter versuchte, den fremde Hund zu verscheuchen, aber der kam immer näher. In diesem Moment erlebte ich eine solche Angst, solche Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, wusste nicht, wie ich meine Hunde beschützen soll. Die hatten natürlich noch Oberwasser und bellten den Fremdling an. 

Plötzlich drehte der ab und verschwand. Zu früh für Erleichterung. Dann tauchte er mit seinem Herrchen wieder auf, nun brav angeleint. Besonders vertrauenerweckend war Herrchen auch nicht. Ne Mischung aus Zuhälter und Drillsergeant. Vermutlich hab ich so verschreckt geguckt, dass er mitleidig gegrinst hat. Und mit seinem Staff weiterlief.

Erst als er weg war, hat mir Peter gesagt, dass sein altes Tränengas noch funktioniert hat. Der Hund hat davon nicht wirklich was abbekommen, aber es hat ihn trotzdem zum Glück verscheucht. Im übrigen wäre ich bei jedem größerem freilaufenden Hund erst mal beunruhigt gewesen, das war keine Rassendiskriminierung per se. 

Die Seeadler waren weg - und ich dann auch. Schnellen Schrittes marschierte ich zurück Richtung Auto. Peter kam deutlich entspannter hinterher - ich aber wollte jede weitere Begegnung mit Hund und Herrchen vermeiden. Trotzdem behielt ich den Himmel im Blick und entdeckte noch einmal Seeadler.

Am Ausgangspunkt angelangt, fanden wir eine sehr nette Lokalität. Ein kühles Bier hatten wir nun wirklich verdient. Und dazu das definitiv beste Bauernfrühstück, das ich jemals gegessen habe. 

Zurück am Agimobil stöberte ich noch ein wenig in Papas Reiseführer und plante den Ausflug für unseren letzten Spreewaldtag. 

Bei dem ehemaligen Dorf Wanninchen, das irgendwann in den 80ern dem Tagebau weichen musste, gibt es ein Naturschutzgebiet der Sielmann-Stiftung. Im September soll hier einer der größten Kranichrastplätze sein. Irgendwie hatte ich bei unserem Rundgang immer ein leises Trompeten im Ohr - aber zu sehen war außer einem einsamen Schwan nichts. Gar nichts. Nach unserem Rundgang durch die Station machten wir uns auf den Rückweg, wo ein Kranich-Beobachtungsturm sein sollte. Auf dem Kiesweg zurück zur Hauptstraße konnte ich nur langsam fahren, das Fenster hatte ich offen, das Fernglas griffbereit. Mehrmals hielt ich an und suchte den langgestreckten Schlabendorfer See ab. Nichts. Noch nicht. Gerade als der Weg sich vom See abwandte, hielt ich ein letztes Mal und hob das Glas. Und da waren sie. 4 Kraniche. Immerhin. Und über der Szenerie kreiste ein Fischadeler. Taschka. Ornithologie braucht eben auch Zeit. 15 weitere Kraniche flogen laut trompetend an - und wir waren selig. 

Nach einer Weile rissen wir uns los und fuhren zu dem Kranichturm zwischen Goßmar und Freesdorf. Außer sportlicher Kletterei war hier nichts zu holen. Und Hunger hatten wir auch. Ich hatte im Hinterkopf die Idee, über Lübbenau zu fahren und dort eines der netten Lokale aufzusuchen. Außerdem wollten wir vor Mellensee noch mal die Vorräte etwas aufpeppen. 

Im nächsten Ort war eine Kneipe mit eigener Metzgerei. Leider kein Schattenparkplatz zu finden, also fuhren wir weiter. Was ein Glück. Kurz vor Wilmersdorf flogen ein paar große Vögel über die Straße. Leider musst ich gerade auf Gegenverkehr achten. "Peter, waren das Kraniche?" Peter meinte, ja - und ein paar Hundert Meter weiter standen sie auf einem frisch eingesäten Acker. Ich bin bei sowas ja immer erst mal ein wenig kompromisslos im Anhalten. Warnblinker, Fenster runter, Glas hoch. Boah. Je länger ich guckte, um so mehr Kraniche wurden es. Bis ans Ende der riesigen Wiese, überall standen diese wunderbaren majestätischen Vögel in kleinen und größeren Gruppen, einige flogen an, andere weg, suchten sich ein neues Plätzchen. Das machte ich übrigens auch, ein schickes und sicheres Parkplätzchen nämlich - und dann stand ich mit Tränen in den Augen und genoß die unglaubliche Szenerie. Es waren weit über 1000 Glücksvögel, weit mehr, als ich je zu vor gesehen hatte. 



Es dauerte, bis wir uns losreißen konnten. Zwei Orte weiter entdeckten wir dann einen Naturcampingplatz, den wir uns für nächstes Jahr vorgemerkt haben und eine Kartoffelkneipe - beides direkt am See. Lecker Berliner Bier, lecker Essen, wunderbarer Ausblick und immer so ein leises Trompeten im Ohr ...

In Lübbenau besuchten wir dann nur noch das Kaufland - und in Lübben bummelten wir dann noch durch den Schloßpark, der wirklich viele tolle Angebote für Groß und Klein zu bieten hat. 

Freitag sind es um die 80 Kilometer nach Sperenberg, Am Mellensee. Hier ist wirklich janz weit draußen. Wald, darum Wald und darum noch mal Wald. Genial. Wir finden ein perfektes Plätzchen für das Agimobil, treffen Bekannte au Hoyerswerda, abends Lagerfeuer. Die Verpflegung ist reichhaltig und am Sonntag klappt es auch mal wieder im Parcours. Platz 2 im A-lauf und Platz 3 im Jumping - ein Megalauf, den die Hops da mit mir hingelegt hat, ich hatte echt Tränen in den Augen.

Wir bleiben bis Montag und verabschieden uns dann bis zum nächsten Jahr. Uli sagt mir: "Egal mit welchem deiner Hunde du läufst, es sieht immer zauberhaft aus." Danke Uli. So ein Kompliment macht im Kopf mehr aus, als so manches Training oder Seminar.