Donnerstag, 7. April 2022

Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war oder wie es sein sollte ...

"Ich bin irgendwo an einem mentalen und emotionalen Punkt im Niemandsland angekommen, wo ich vollständig orientierungslos bin. Ich dachte, Fly hätte mir alles über Hunde beigebracht. Aber wenn sich die Schwierigkeit nach Außen richtet, kann man ganz anders damit arbeiten. Aber die Probleme zwischen Jaro und Myway beeinträchtigen meine Lebensqualität rund um die Uhr. Genau genommen ist das kein Leben mehr. Es zerreißt mich. Es nimmt mir Kraft, die ich nach dem Tod von Fly und meinen Eltern nicht habe. Ich frage mich die ganze Zeit, wie ich mich auf den Urlaub mit Jaro, auf das Seminar freuen soll, wenn ich gar nicht weiß, ob es wirklich Sinn macht, ihn bei mir zu behalten. Er ist noch so jung und kann ein tolles Leben haben, von dem ich gerade nicht weiß, ob ich ihm das bieten kann. Ich frage mich, was ich fühlen würde, wenn Jaro nicht mehr da wäre. Ihn wegzugeben wäre Scheitern. Irgendwie bin ich noch nie so wirklich gescheitert bis jetzt ..."

Dieses Statement habe ich Ende Januar geschrieben. Vorangegangen war eine heftige Auseinandersetzung zwischen  Jaro und Myway an Heiligabend. Ich kann diese Bilder immer noch nicht aushalten, obwohl letztendlich nichts passiert ist. Also keine sichtbaren Wunden (außer Peters Finger als Myway ihn getackert hat beim Versuch, die zwei zu trennen). Emotional waren wir alle im völlig verstört. 

Mein Versuch, mit den beiden mit Maulkorb spazieren zu gehen, endete in einer wilden Beißerei - zum Glück haben die Maulkörbe gehalten. 

Während ich den Vorfall an Heilig Abend eher Myway zuschreibe, war es hier definitiv Jaro, der Myway gestellt und angegriffen hat. 

Warum ich das nun alles schreibe? Zum einen dient es dazu, so einiges endlich mal zu verarbeiten. Zum anderen hilft es vielleicht anderen, die in ähnliche Situationen kommen.

Mich von Jaro zu trennen, wäre das Zweitschlimmste auf der Welt gewesen. Denn Myway wegzugeben, war völlig undenkbar. Er wäre vermutlich nirgendwo auf der Welt wieder wirklich glücklich geworden. Und ich ohne ihn auch nicht. Myway ist und bleibt halt unser kleiner Prinz.

Die einzige Alternative war kompetentes Training. Mir war mittlerweile doch klar geworden, dass ich Jaro gerade bei seinem Hüteverhalten viel früher hätte entgegen treten müssen. Und auch bei den Shelties lag einiges im Argen - diese Kläfferei nervte schon extrem. 

Als erstes buchte ich einen Onlinekurs "Hunde richtig führen" bei Linda Sikorski. Das war schon ein echter Augenöffner zu merken, dass mir mein Rudel ganz charmant auf der Nase herumtanzte. Aber auch, wie schnell man mit konsequentem Eingreifen eingefahrene Verhaltensmuster ändern kann. Den Shelties flogen so einige Flaschen um die Ohren - seitdem ist es ruhiger. Gerade Lasse würde ich allerdings nur mit einer Stimmband-OP endgültig zum verstummen bringen ...

Dann bekam ich doch den Termin bei Rico Haffner, den sie ja alle "den Besten" nennen. Kann ich mittlerweile voll bestätigen. Und seine erste Frage war tatsächlich: Wie viel bist du bereit auszuhalten und zu investieren (nicht nur finanziell) um beide Hunde zu halten? Meine Antwort: Alles, oder zumindest fast alles. Wenn es für alle Menschen und Hunde eine echte Perspektive gibt. 

Bei unserem erstem Termin stellte sich schnell heraus, dass Jaro und Myway sich zwar noch recht suspekt waren, aber keine echte Aggression zu spüren war. Das gab dann auch den Ausschlag, weiterzumachen. 

Rico brachte mir nun alles bei, was Fly irgendwie übersehen hatte. Körpersprache. Souveränität.  Bruce Willis. 

Ich war nie besonders autoritär. Weder bei meinen Hunden, noch meinen Kindern oder dem Rest der Welt. Wenn mir mal was nicht passt, bin ich eben zickig. Hat bis jetzt funktioniert - womit klar ist, dass mir diese kleine haarigen Biester mal wieder was beibringen wollen ...

Aber da habe ich schon sehr dazu gelernt. Selbst ein fast verhungertes Sheltie kann ich wortlos aus der Küche scheuchen ... Bei Jaro ist das alles eh überflüssig. "Ich soll aus der Küche? Okay. Ich soll vom Sofa? Kein Problem? - Wobei auch Jaro mich wesentlich ernster nimmt bei meinen Ansagen ...

Das nächste Standbein war dann eher esoterisch. Pia Schmitt hat mit Jaro und Myway mal "gesprochen". Und letztendlich hat das mein eigenes Bauchgefühl bestätigt. Jaro ist schon klar, dass er falsch reagiert hat - und Myway fühlt sich völlig im recht. 

Also weiter trennen. Die ersten Spaziergänge mit Maulkorb waren Stress pur für mich. Adrenalinschock - obwohl nichts passiert ist. 

Dann Spaziergänge mit Freilauf. Nie war auch nur ein Hauch von Aggression oder Aversion zu spüren.

Letztes Wochenende dann Indoor-Begegnung mit Maulkorb.

Heute der erste Spaziergang ohne Maulkorb, wobei ich die beiden nur abwechselnd im Freilauf hatte. 

Zurück dann drinnen alle ohne Maulkorb. Jaro wirft sich auf den Rücken um sich den Bauch kraulen zu lassen. Myway stand direkt daneben. 

Ich denke, wir sind auf einem sehr guten Weg.



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