Camargue – Unsere Flitterwochen im Wind
Ein Reisetagebuch von Petrina Poley & Peter
April 2010
Prolog – Der schönste Geburtstag
Am 3. April 2010 fahren wir los.
Papas Geburtstag – ein Datum, das wir nie vergessen würden.
Damals schien es romantisch, symbolisch, fast wie ein stiller Gruß an ihn.
Heute wissen wir: Es war beides – Anfang und Erinnerung, Sonne und Schatten.
Teil I – Aufbruch
Knapp drei Stunden nach Mitternacht verlässt unser silberner BMW den Heimathafen Münster in Richtung Süden. Die Nacht ist still, die Straßen leer, nur das Scheinwerferlicht zieht eine schmale Bahn ins Dunkel.
Peter fährt, ich fahre bei, Lotte und die Hunde schlafen.
Gegen Viertel vor sechs überqueren wir die Grenze. Es regnet, der Tempomat summt. Halb acht, Dole, Halbzeit. Tankstopp, Hunde lüften. Die Fahrt ist lang, aber sie riecht nach Aufbruch.
Kurz vor Lyon tauchen Easy Rider auf, und ich zähle Kilometer, bis wir endlich Arles erreichen. Weiße Pferde links, Rohrweihe rechts – 2:0 für mich.
Dann die Petit Rhône – wir sind in der Camargue.
Teil II – Ankommen
In Cabanes de Cambon erwartet uns ein kleines Paradies:
Terrasse, Licht, Wind, Raum.
Ein Haus, das sofort „ja“ sagt.
Wir laden aus, funken nach Hause, melden „angekommen“.
Abends im Les Embruns: Soupe de Poisson, Stiergulasch, Mousse au Chocolat, Rosé.
Die Hunde schlafen, der Teenager schmollt, wir trinken Rotwein.
Der Wind erzählt vom Meer, und die Nacht riecht nach Salz und Anfang.
Teil III – Croissants und Katzen
Der Ostersonntag beginnt mit Licht.
Fly schläft oben bei uns, Donna bleibt unten – Prinzipien.
Während Peter und Lotte ums Badezimmer kämpfen, gehe ich mit den Hunden hinaus.
Milchiges Morgenlicht über dem Canal, ein Hahn kräht, Pferde schnauben.
Croissants werden ans Tor geliefert – noch warm, noch besser als in Deutschland.
Dann erscheint eine Katze, stolz wie eine Königin.
Fly schaut demonstrativ weg, Donna versucht Hypnose.
Die Katze gewinnt.
Nachmittags: Abbrivado in Saintes-Maries – Staub, Hufe, Jubel, Stiere.
Abends Baguette, Fromage, Rotwein. Ich schlafe beim Tatort ein.
Die Flitterwochen atmen.
Teil IV – Tage zwischen Wind und Sonne
Manchmal ist Glück nur ein Glas Rotwein auf einer stillen Terrasse.
Cabanes de Cambon liegt da wie eine vergessene Melodie: still, abgelegen, wunderbar.
Lotte hadert mit sich, mit ihrem Auge, mit der Welt.
Wir lassen sie – und fahren allein nach Maries. Austern, Markt, Abbrivado, Sonne.
Später Spaziergang am Strand, die Hunde im Glück.
Abends trotzt Lotte der Welt, klettert über das Tor.
Ich fahre ihr hinterher, sammle sie ein, schweige.
Manche Gespräche erledigt der Wind besser.
Die Camargue atmet. Ich atme mit.
Teil V – Unter der Sonne von Le Sambuc
Markt, Pâté, Käse, Olivenöl, Sonne.
Peter schläft auf der Terrasse, die Hunde liegen still,
und die Katze kommt wieder – selbstbewusst wie ein kleines Schicksal.
Der Tag ist träge, perfekt.
Fly ignoriert die Katze, Donna hofft auf Wunder.
Ich schreibe, der Wind schläft.
Abends Pizza, dann wieder ein Teenagerdrama.
Ich höre lieber den Grillen zu.
Die Nacht summt.
Teil VI – L’Estrambord und der Regen
Das Wetter kippt, und mit ihm die Stimmung.
Regen, Wind, graues Licht.
Fly rollt sich ein, Donna seufzt ans Fenster.
Wir essen im L’Estrambord: Kalbsbraten, Sauce, Käse, Crème brûlée.
Später auf der Terrasse: Tropfen auf Holz, Rotwein, Dämmerung.
Ich denke: Vielleicht sind solche Tage die wahren Flitterwochen –
die, in denen man einfach nur ist.
Teil VII – Markt, Sonne und Abschiedsvorboten
Am nächsten Tag: Sonne, Markt, Leben.
Ich kaufe Stiefeletten, Peter bekommt einen Gürtel, die Hunde einen langen Spaziergang.
Das Meer glitzert, Fly rennt, Donna fliegt.
Die Camargue schenkt uns noch einmal ihr Licht.
Teil VIII – Abschied im Licht
Zehnter April.
Wir lassen uns Zeit. Noch einmal durch Saintes-Maries, noch einmal Les Embruns, noch einmal Salz auf der Haut.
Dann die Straße entlang des Étang.
Ein Brachvogel im Schilf – mein persönlicher Abschiedsgruß.
Abends Deutschland.
Küche, Wein, müde Stimmen.
Die Hunde schlafen, der Himmel ist fremd.
Aber ein Teil von uns bleibt dort,
zwischen Wind und Sonne,
zwischen Salzgras und Himmel.
Epilog
Manchmal sind die schönsten Reisen die, die man nie ganz zurücklässt.
2010 war Camargue, Liebe, Familie, Wind und Salz –
und alles, was bleibt, wenn man beides trägt: Erinnerung und Gegenwart.