Mittwoch, 5. November 2025

Camargue – Unsere Flitterwochen im Wind

 

Camargue – Unsere Flitterwochen im Wind

Ein Reisetagebuch von Petrina Poley & Peter
April 2010


Prolog – Der schönste Geburtstag

Am 3. April 2010 fahren wir los.
Pap­as Geburtstag – ein Datum, das wir nie vergessen würden.
Damals schien es romantisch, symbolisch, fast wie ein stiller Gruß an ihn.
Heute wissen wir: Es war beides – Anfang und Erinnerung, Sonne und Schatten.


Teil I – Aufbruch

Knapp drei Stunden nach Mitternacht verlässt unser silberner BMW den Heimathafen Münster in Richtung Süden. Die Nacht ist still, die Straßen leer, nur das Scheinwerferlicht zieht eine schmale Bahn ins Dunkel.
Peter fährt, ich fahre bei, Lotte und die Hunde schlafen.

Gegen Viertel vor sechs überqueren wir die Grenze. Es regnet, der Tempomat summt. Halb acht, Dole, Halbzeit. Tankstopp, Hunde lüften. Die Fahrt ist lang, aber sie riecht nach Aufbruch.

Kurz vor Lyon tauchen Easy Rider auf, und ich zähle Kilometer, bis wir endlich Arles erreichen. Weiß­e Pferde links, Rohrweihe rechts – 2:0 für mich.
Dann die Petit Rhône – wir sind in der Camargue.


Teil II – Ankommen

In Cabanes de Cambon erwartet uns ein kleines Paradies:
Terrasse, Licht, Wind, Raum.
Ein Haus, das sofort „ja“ sagt.

Wir laden aus, funken nach Hause, melden „angekommen“.
Abends im Les Embruns: Soupe de Poisson, Stiergulasch, Mousse au Chocolat, Rosé.
Die Hunde schlafen, der Teenager schmollt, wir trinken Rotwein.
Der Wind erzählt vom Meer, und die Nacht riecht nach Salz und Anfang.


Teil III – Croissants und Katzen

Der Ostersonntag beginnt mit Licht.
Fly schläft oben bei uns, Donna bleibt unten – Prinzipien.
Während Peter und Lotte ums Badezimmer kämpfen, gehe ich mit den Hunden hinaus.

Milchiges Morgenlicht über dem Canal, ein Hahn kräht, Pferde schnauben.
Croissants werden ans Tor geliefert – noch warm, noch besser als in Deutschland.

Dann erscheint eine Katze, stolz wie eine Königin.
Fly schaut demonstrativ weg, Donna versucht Hypnose.
Die Katze gewinnt.

Nachmittags: Abbrivado in Saintes-Maries – Staub, Hufe, Jubel, Stiere.
Abends Baguette, Fromage, Rotwein. Ich schlafe beim Tatort ein.
Die Flitterwochen atmen.


Teil IV – Tage zwischen Wind und Sonne

Manchmal ist Glück nur ein Glas Rotwein auf einer stillen Terrasse.
Cabanes de Cambon liegt da wie eine vergessene Melodie: still, abgelegen, wunderbar.

Lotte hadert mit sich, mit ihrem Auge, mit der Welt.
Wir lassen sie – und fahren allein nach Maries. Austern, Markt, Abbrivado, Sonne.
Später Spaziergang am Strand, die Hunde im Glück.

Abends trotzt Lotte der Welt, klettert über das Tor.
Ich fahre ihr hinterher, sammle sie ein, schweige.
Manche Gespräche erledigt der Wind besser.

Die Camargue atmet. Ich atme mit.


Teil V – Unter der Sonne von Le Sambuc

Markt, Pâté, Käse, Olivenöl, Sonne.
Peter schläft auf der Terrasse, die Hunde liegen still,
und die Katze kommt wieder – selbstbewusst wie ein kleines Schicksal.

Der Tag ist träge, perfekt.
Fly ignoriert die Katze, Donna hofft auf Wunder.
Ich schreibe, der Wind schläft.

Abends Pizza, dann wieder ein Teenagerdrama.
Ich höre lieber den Grillen zu.
Die Nacht summt.


Teil VI – L’Estrambord und der Regen

Das Wetter kippt, und mit ihm die Stimmung.
Regen, Wind, graues Licht.
Fly rollt sich ein, Donna seufzt ans Fenster.
Wir essen im L’Estrambord: Kalbsbraten, Sauce, Käse, Crème brûlée.

Später auf der Terrasse: Tropfen auf Holz, Rotwein, Dämmerung.
Ich denke: Vielleicht sind solche Tage die wahren Flitterwochen –
die, in denen man einfach nur ist.


Teil VII – Markt, Sonne und Abschiedsvorboten

Am nächsten Tag: Sonne, Markt, Leben.
Ich kaufe Stiefeletten, Peter bekommt einen Gürtel, die Hunde einen langen Spaziergang.
Das Meer glitzert, Fly rennt, Donna fliegt.
Die Camargue schenkt uns noch einmal ihr Licht.


Teil VIII – Abschied im Licht

Zehnter April.
Wir lassen uns Zeit. Noch einmal durch Saintes-Maries, noch einmal Les Embruns, noch einmal Salz auf der Haut.

Dann die Straße entlang des Étang.
Ein Brachvogel im Schilf – mein persönlicher Abschiedsgruß.

Abends Deutschland.
Küche, Wein, müde Stimmen.
Die Hunde schlafen, der Himmel ist fremd.

Aber ein Teil von uns bleibt dort,
zwischen Wind und Sonne,
zwischen Salzgras und Himmel.


Epilog

Manchmal sind die schönsten Reisen die, die man nie ganz zurücklässt.
2010 war Camargue, Liebe, Familie, Wind und Salz –
und alles, was bleibt, wenn man beides trägt: Erinnerung und Gegenwart.



Sonntag, 2. November 2025

🐾 Vier Wege, ein Herz – Meine Agility-Geschichte

 🐾 Vier Wege, ein Herz – Meine Agility-Geschichte

Sie heißen Jaro, Taran, Myway und Lasse.
Vier Hunde, vier Temperamente, vier Spiegel dessen, was ich bin und war.
Manchmal denke ich, sie sind nicht nur meine Hunde – sie sind Kapitel meines Lebens.

Jaro, der Sturm.
Sechs Meter in der Sekunde, präzise, explosiv, hellwach.
Er liest meine Gedanken, noch bevor ich sie formuliere.
Manchmal denke ich, er kennt mich besser als ich mich selbst.
Wenn er läuft, ist das keine Arbeit, es ist Telepathie.
Wir fliegen, jeder Schritt von mir nur ein Hauch,
er nimmt ihn auf und verwandelt ihn in Geschwindigkeit.
Er ist der Beweis, dass Vertrauen schneller ist als Beine.

Taran, mein kleiner Drache.
Er liebt das Leben so sehr, dass er es manchmal gar nicht abwarten kann.
Für ihn ist jedes Turnier ein Fest, jede Aufgabe ein Abenteuer.
Er sieht das Ziel und denkt: Da liegt bestimmt das Beste überhaupt!
Aber er lernt, und er wächst, und mit jedem Lauf
leuchtet sein Blick ein bisschen klarer, ruhiger, echter.
Wenn er rennt, höre ich sein Herz lachen.

Myway, der Gentleman.
Zehn Jahre, silberner Bart, goldene Seele.
Er hat so lange gebraucht, bis er seinen Mut fand,
bis Richter und Fotografen ihm egal wurden,
bis er einfach er selbst sein durfte.
Jetzt läuft er mit Stolz und mit Freude,
nicht, um zu gewinnen, sondern um dabei zu sein.
Und wenn ich die anderen hole und er protestierend schaut,
dann weiß ich: Er ist noch nicht fertig mit dem Leben.

Lasse, mein leiser Held.
Als er kam, war er halb verhungert, fast durchsichtig.
Wir haben ihn aufgebaut, Körper und Seele zugleich.
Er wollte alles richtig machen,
und aus Angst, etwas falsch zu machen, tat er manchmal gar nichts.
Ich musste ihn durch die Parcours klatschen, lachen, anfeuern,
ihm zeigen, dass Fehler keine Schande sind.
Er war nie laut, nie fordernd,
aber er war da – zuverlässig, sensibel, rein.
Und als er irgendwann sagte: Ich mag dich, aber ich brauche das hier nicht mehr,
habe ich verstanden, dass Liebe auch heißt, loszulassen.

Und so stehen sie da – vier Wesen, vier Geschichten.
Jeder trägt eine andere Melodie,
und zusammen sind sie mein Lied.
Es geht nicht um Titel, Zeiten oder Siege.
Es geht um Herzschlag, Freude, Staub unter den Pfoten
und um dieses stille Wissen:
Wir gehören zusammen.