In den letzten Wochen traile ich mit Jaro regelmäßig. Da kriegen wir auch nichts geschenkt und so manchmal muss man sich direkt Mühe geben, dem Ausbilder zu glauben, dass der Trail wirklich gut war und dass es völlig okay ist, mal an einer Stelle etwas länger zu brauchen, bis man weiß, wo es weiter geht. Und letztendlich machen wir schon ganz schön anspruchsvollen Kram für so ein Landei. Mitten in Michelstadt, freie Plätze, 1000 Kreuzungen - wenn ich an meine Trails mit Mywy und Hope denke, ist das schon geradezu professionell - und ja, lieber Jaro, da geht eben nicht nur schneller, höher, weiter, sondern mit Konzentration und Fokus. Und es macht so einen Spaß, uns beiden und bringt uns auch auf einer anderen Ebene zusammen.
Im Agi läuft es grad weniger. Meine Trainerin hat bei der Runnings-Ausbildung so einen megaguten Job gemacht und da konnte und sollte Bubsle auf Distanz arbeiten. Vielleicht missverstehe ich ja auch die Intention im aktuellen Training. Aber was bei mir ankommt: rennen, rennen, rennen. Vorm Hund sein und mich nicht auf Kommandos verlassen. Dummerweise kann ich mich auf die am ehesten verlassen. Wenn ich an der Hürde stehe, um sauber zu führen, macht das 2 Probleme. 1. Ich kann nicht sauber führen. Ich drehe mich falsch, gucke in die falsche Richtung und dann springt der Hund verkehrt rum. Wobei mich das an Flos Erklärung der physikalischen Gesetze erinnert. So mit rechts und links herum, ganz krieg ich es nicht mehr zusammen. 2. Stehe ich meinem Hund und seinem Wohlfühlabstand im Weg. Und 3: um an die Hürde zu kommen, baue ich Druck nach vorne auf, schlenkere mit den Armen (machen Mädels nun mal so) und irritiere den armen Hund noch mehr.
Traurig ist dabei vor allem, dass die Korrektur nicht im Lernkontext erfolgt und aversiv ist, als ob Jaro etwas falsch gemacht hätte. Eigentlich kann ich froh sein, dass Jaro überhaupt noch mit mir läuft. Und statt positive Steinchen bauen wir gerade Mauern aus Negativerlebnissen, an denen wir nur scheitern können.
Wege aus der Krise?
Das war ne ganz schöne Denkpause gerade. Also, ich verspreche:
Ich bin meinem Hund verpflichtet, nicht meiner Trainerin. Vielleicht lernt sie ja auch was aus meinen Ansätzen. Die ich umsetzen werde. Egal wie. Weil ich weiß, dass es richtig ist.
Ich werde das Training mehr hinterfragen. Es ist nie alles Gold was glänzt - und auch nicht alles Scheiße, was nicht glänzt. Jaro und ich wären nicht da, wo wir sind, wenn wir die letzten Zeiten nur schlechtes Training gehabt hätten.
Hier ein paar Videos von dem "Training unter Turnierbedingungen" bei Flo. 3 x Dis - hätte Turnier sein können ... Aber es war das erste Mal seit ewigen Zeiten, dass Agility mal wieder so richtig Spaß gemacht hat und ich mich daran erinnert habe, warum dieser Sport unsere Leidenschaft (nettes Wortspiel, Leiden schafft) ist. (Im Golf heißt es wohl "Himmel und Hölle liegen eng beieinander ...)
Aber meine Learnings: Mehr Konzentration auf den Weg des Hundes und meinen. Ich fokussiere mich viel zu oft und viel zu schnell auf eine Stelle, die mir schwierig erscheint. Vergesse dann den Rest und huddele in den letzten Sekunden noch mal den Weg.
Mehr Fokus und Verbindung zu Jaro. Anschauen! Spannung halten! Nicht aus den Augen lassen und nicht unter Druck setzen lassen von Jaros Präsenz und Stärke.
Nicht ärgern, wenns nicht klappt. Versuchen herauszufinden, warum. Aus den Fehlern lernen.
Tja, hätte man sehen können, dass der Hund aus dem Tunnel kommt und den nächsten nicht sieht. Hätte man halt warten müssen. Oder es vorher sehen müssen ... hätte - hätte. Und die Wippe konnte der arme Bub so nun auch nicht treffen. Wege lesen und lernen und führen!

